meine gedanken sind bei ihr. immer wenn ich in einem laden mit meiner kreditkarte bezahle, streichel ich mit dem daumen über eines ihrer fotos, die in meinem geldbeutel seit jahren wohnen. dann denke ich, dass sie es fühlt, sich noch geborgener fühlt, sich bedacht fühlt. sich fühlt.
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Freitag, 26. Januar 2007, 21:35h in der abteilung:
hirn
die kalte heimat hat mich wieder, nachdem ich vor einigen tagen ausbrach, um dem alltag zu entkommen. nicht unbedingt, um ein neuer mensch zu werden, aber vielleicht gute gedanken zu finden, andere gedanken zu sortieren, zu verwerfen und neu zu ergründen. ich brach aus, um zu haut und wärme zu fühlen, zu leben, ein mensch zu sein. ein gefühl, das ich schon lange nicht mehr hatte. drei tage einfach nur leben. keine verpflichtungen. nur leben, nur sein, nur lieben, fühlen, schmecken, reden. ja, worte wechseln, ebenen finden, dem schnee beim fallen zusehen mit geschlossenen augen und dabei glücklich sein.
keinen gedanken an den nächsten tag verschwenden. nicht frieren. sich geborgen fühlen. sich nicht umdrehen. wissen, dass alles gut wird, es verstehen, daran denken. es fühlen. und spüren.
nun bin ich aus dem zug gestiegen und mit dem taxi nach hause gefahren. noch konnte die kälte der gewohnten stadt nicht zur mir durch dringen. sie wird es aber unaufhörlich weiter versuchen. der alltag, der alte zosse, wartet auch schon mit gewetztem messer an der straßenecke und wird mir morgen eiskalt in den nacken hauchen, mich wieder versklaven und mich böse denken lassen. aber ich werde gegen ihn kämpfen, auf des messers schneide tanzen, ihn bewältigen, ihn zu meinem sklaven machen.
morgen wird eh alles anders sein. dann ist alles wieder da, was ich in den letzten tagen abstreifen konnte. aber etwas wird dazugekommen sein. sehnsucht. sehnsuch nach dem ziel, nach dem abstreifen, nach dem geruch, nach der wärme. sehnsucht nach allem, was mir fehlt. und ein stück mehr.
das alte bett wartet auf mich. viele kriege wurden darauf geführt. tränen der einsamkeit und des leidens zog es schon tief in seinen kern. darin ertranken millionen von kleinen lebewesen, deren aufgabe es ist, wohnmöbel pieksig zu machen. sei es drum!
es wird mich wärmen und zudecken. bis ich morgen den schrei des alltags vernehme und aufwache und alles sicher so sein wird, wie es vor meinem verschwinden war. die sehnsucht wird schwer auf meinen schultern lasten. aber es wird eine schöne sehnsucht sein. ich werde sie leben. morgen. mich an sie schmiegen, mich mit ihr verbrüdern. wir werden eins sein. die sehnsucht und der kleine junge in mir. wir werden tanzend über die felder, singend schreiten. ein lied über den ausbruch vom alltag singen. davon träumen, es bald wieder zu tun. woanders gibt es auch einen alltag, auch dort, wo ich war. aber der war schön. und weich. zart und warm.
gute nacht, sehnsucht.
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Freitag, 26. Januar 2007, 01:30h in der abteilung:
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