irgendwie vom glück deutscher kassenkräfte...

die arbeit einer durchschnittlichen kassenkraft muss ermüdend sein. den ganzen tag zieht man die gleichen waren über den scanner. es piept. oh, ein papierstau im bon-system, wie spannend. man wechselt die rolle - drei sekunden abwechslung in einem verfluchten leben, das nur aus piepen und ficken besteht.
irgendwann nach neun stunden ist die schicht vorbei. man zieht noch schnell seine eigenen nahrungsmittel über den scanner und geht in den gemeinschaftsraum des örtlichen supermarktes. dort trifft man die meike, die ihre schicht gleich beginnen wird. man unterhält sich über den papierstau und meike hofft, dass sie an diesem tag auch etwas glück spüren darf. nur einen kleinen hauch von glück. eine subtile streicheleinheit des lebens. vielleicht ein joghurt, der auf dem band ausläuft. dann könnte sie dem piepen für ein paar sekunden entfliehen und mit küchenrolle das kassenband säubern. dann wäre sie glücklich, könnte es den anderen kollegen erzählen, während alle guten gedanken im piepen verschwinden.
aber meike arbeitet schon zu lange in diesem markt. und sie weiß, dass keine wunder mehr geschehen. sie ist sich bewusst, dass sie heute nacht allein in ihrem bett liegen wird, das andauernde piepen der computerkasse fortwährend in ihren träumen. ein neuer tag wird beginnen und er wird wieder so sein wie der tag davor. und wie der tag davor. und so weiter. kein joghurt wird auslaufen und kein papier sich stauen. meike weiß das und das macht sie traurig. ein wenig glück. das hätte was.
die arme meike. so schönes haar. jetzt. und kein glück.
zum glück arbeite ich nicht in einem supermarkt. aber auf ein kleines wunder warten wir alle. auf eine kleine abwechslung am tage. etwas unvorhersehbares. aber so unvorhersehbar, dass es nicht schmerzt. es gibt auch schmerzhafte unvorhersehbare dinge - aber das sind dann eher sachen, die man anderen leuten wünscht.
draußen ist es grau. und es regnet kleine tröpfchen. sie sind kalt und wären lieber schnee. nein, tut mir leid, der klimawandel hat euch doch gesagt, dass ihr erst im juli schnee sein dürft. und so fällt der regen auf die straße, auf meinen kopf, durch die schädeldecke in mein hirn. macht die gedanken schwammig. aber das tut gut. einmal durchspülen bitte. das böse fließt durch die ohren wieder ab, sammelt sich in einer kleinen pfütze und versiegt. irgendwann. im frühling vielleicht, wenn die gefühle kommen, die einem liebe vorgaukeln. das herz überschlägt sich dann wie irre und man kann es nicht glauben, dass man schon wieder auf diese blöde masche der hormone reinfällt. dann läuft man wie die los illuminados durch die straßen und sucht ein zweites herz. findet es aber nicht, da der frühling lügt.
gleich betrete ich noch einmal die regnerische außenwelt. laufe dann debil zur straßenbahn und spiele bürger. setze mich auf einen behindertenplatz und stehe für das untervolk nicht auf. schaue stattdessen aus dem fenster und beobachte von menschenhand erbaute maschinen, die über die straßen der stadt fahren. beobachte menschen, die ihre eigenen gedanken haben. was denken sie? denken sie überhaupt? oder sind sie leer und wandern einfach durch die gegend auf der suche nach einem wunder? das wunder begegnet ihnen, aber sie sind nicht reif dafür. sie laufen daran vorbei. das wunder schaut ihnen nach und kratzt sich am kopf, denkt sich kurz, 'hey, was für ein idiot', und geht dann weiter. kauft sich ein paar bier, weil es so enttäuscht von den menschen ist. dann lehnt das wunder lässig mit seinen freunden an einer mauer und sie rauchen crack. das schafft mut für einen neuen tag voller neuer herausforderungen.
crack für die wunder dieser welt, liebe frau bätzing!
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Samstag, 12. Januar 2008, 14:40h in der abteilung: heimseite
Samstag, 12. Januar 2008, 14:40h in der abteilung: heimseite