statement zur rezension im aktuellen orkus-ausgabe juni/juli 2008

Thomas Sabottka: Am Ende der Rezension zu „Was bleibt", meinem aktuellen Buch, wirft Axel Schön im Zusammenhang mit der „Limited Edition" die Frage auf, warum ich für diese Publikation denn nun mit Kammer Sieben in der Art zusammengearbeitet habe und bezieht sich ganz konkret auf die Vertonung des Gedichtes „Ihr" von Agnes Miegel. Eine Frage, die ich gerne beantworte:

Grundsätzlich: Zusammengerabeitet habe ich mit Kammer Sieben, weil ich ihre Musik mag und in Butow Maler einen guten Fotografen, guten Musiker und wunderbaren Menschen kennengelernt habe.

Ich habe in Kammer Sieben-Texten nichts gefunden, das in irgendeiner Form rassistisch, gewaltverherrlichend oder menschenverachtend ist!

Dies allein wären Kriterien gewesen, mit ihnen nicht zusammenzuarbeiten!

Ich gebe zu, dass mir Agnes Miegel und ihre umstrittene Rolle als Dichterin in der Zeit des Dritten Reiches überhaupt nicht bekannt war, was mir insofern egal war, da der konkret vertonte Text „Ihr" keine der oben genannten Kriterien erfüllt, somit in meinen Augen also „unbedenklich" ist.

Neben diesem Lied vertonen Kammer Sieben aber auch Heinrich Heine und Georg Trakl, außerdem gibt es in „Was bleibt" eine sehr eindeutige Geschichte zu dem Thema „Drittes Reich" die meine und sicherlich auch Butows Meinung gut verdeutlicht!

Zu der Frage warum Kammer Sieben „Ihr" von Agnes Miegel vertont haben, äußert sich Butow Maler selbst:


Kammer Sieben und Agnes Miegel

Da wundert sich also nun der Rezensent im Magazin Orkus, wieso Kammer Sieben ein Gedicht "Ihr" von Agnes Miegel vertonen. Agnes Miegel sei eine „Nationalsozialistische Vorzeigedichterin" gewesen, heisst es dort und dies impliziert natürlich, dass ihre Gedichte tabu sind.

Kammer Sieben haben das Gedicht in einer ersten Version 2006 vertont, als ein israelisches Label mit der Bitte um einen Kompilationsbeitrag an uns heran trat. Diese Kompilation war als Tribut an den isländischen Bildhauer Einar Johnson geplant, einem Zeitgenossen Miegels. Das, was sich in den Skulpturenn Johnsons wiederfindet, die vom Geist der Romatik geprägte Suche nach dem Erhabenen, das Fortleben von Erinnerungen und Traditionen lasen wir in Miegels Gedicht "Ihr" und so lag es nahe, diesen Text zu nehmen. Agnes Miegel war uns selbstverständlich bekannt als "Die Stimme Ostpreussens" und so schlugen wir die Brücke zum Heute, denn auch uns ist die Erinnerung an und das Wissen um die Familie, um die eigene Herkunft und Geschichte wichtig. Es mag sein, dass Agnes Miegel auch einmal ein Gedicht "an den Führer" geschrieben hat. Gefunden haben wir dies bislang nirgendwo und dementsprechend auch nicht gelesen. Was da nun Inhalt ist, spielt für uns aber auch keine Rolle, da wir nicht mit Agnes Miegel als Mensch arbeiten, sondern mit einem Text von ihr. Diesem Text ist es egal, was die Autorin sonst geschrieben hat. Der Großteil des uns vorliegenden Werkes von Miegel sind Heimatdichtungen. Landschaftsbeschreibungen oder Balladen, die Episoden aus der ostpreussischen Geschichte beschreiben. Das sind keine Texte, die wir vertont hätten. Nicht etwa, weil sie politisch motiviert sind, sondern einfach, weil sie uns nicht gefallen. Weil sie keine Stärke besitzen, die nach einer Vertonung verlangt. Aber auch dies hindert uns nicht daran, den einen Text, der dann doch genau das sagt, was wir sehen und zeigen wollen, zu nehmen und ihn in unsere Musik zu überführen.

Und aus dem gleichen Grund haben wir dieses Stück dann nochmals überarbeitet und mit auf die CD zum Buch "Was bleibt" von Thomas Sabottka genommen: "Ihr" handelt von der Erinnerung. "Ihr" handelt davon, wie das in uns fortlebt, was unsere Vorfahren erlebt haben an guten und an schlechten Dingen. Es handelt davon, wie wichtig es ist, sich daran zu erinnern. Ist dies nicht genau das, was wir tun sollen? Uns auch an die Schuld unserer Eltern und Großeltern erinnern? An diese Schuld, die dann eben in uns fortlebt, ob uns dies nun lieb ist oder nicht?

Wir würden es sehr begrüßen, wenn die Kritiker sich mit dem konkreten Text auseinandersetzen würden und nicht Schlüsse über mehrere Ecken ziehen. Wenn der verwendete Text in irgendeiner Form den Nationalsozialismus verherrlichen sollte, dann bitten wir um eine entsprechende Erläuterung. Kammer Sieben lesen das nicht darin. Ganz im Gegenteil. Und wir bedauern es sehr, dass hier keine kritische Auseinandersetzung mit einem womöglich heiklen Thema erfolgt, sondern gedankenlos oder vielleicht sogar in boshafter Absicht der Eindruck erweckt wird, Kammer Sieben würden etwas gutheißen, was jeder vernunftbegabte Mensch voller Abscheu verdammen sollte.






irgendwie von weißen hasen und dem zahn der zeit...

zum fußballgucken zog es mich dieser tage in eine eckkneipe im bremer viertel. dort wohnte bis vor kurzem jahrelang eine eigenartige lokalität, die schwärzer nicht hätte sein können. man traute sich selten an ihr vorbei und spielte auch nicht nur einmal mit dem gedanken, sie zu betreten. nun gehört sie einem netten türken. er strich das innenleben mit freundlichen farben und lässt seine kundschaft rauchen und fernsehen. natürlich auf einem riesigen lcd-flachbild-fernseher, wie ihn momentan nur menschen besitzen, die krumme geschäfte machen. aber ich möchte ihm das nicht unterstellen. wahrscheinlich ist das ding nur geliehen. jedenfalls habe ich dort das spiel 'deutschland gegen kroatien' gesehen. ein trauerspiel. die kroatische mannschaft war reichlich vom kroatischen gott mit hässlichkeit beschenkt worden. morsche zähne gab es gratis dazu. keiner von ihnen war sexy. nicht einmal annähernd. in der kneipe saßen dunkelhäutige deutschland-fans. darf man 'dunkelhäutig' schreiben? oder ist 'afrikaner' lieber gelesen? aber das wäre falsch, denn sie kommen ja gar nicht alle auf afrika. egal. jedenfalls war das publikum schwarz. anders schwarz. nicht gruftig schwarz. eben hautschwarz. immer, wenn es so aussah, als würde deutschland punkten, sprangen sie durch die gegend und ließen ihre rastalocken durch die gegend fliegen. 'ja! holt eure voodoo-püppchen raus, jungs!' - wollte ich schreien, überdachte dieses vorhaben kurz und entschloss mich, doch einfach die fresse zu halten und dem spiel zu folgen. montag werde ich das auch tun, wenn deutschland gegen das österreichische königreich spielt. sitze dann dort mit mutlu und mogli und schaue dem ball zu, der wie wir ebenfalls schwarz und weiß ist. völkerverständigung auf hohem niveau. grandios.

es regnet. die schönen tage sind vorbei. sicher kommen sie bald zurück - doch momentan regnet es. ich sitze am fenster und schaue dem nassen treiben zu. beobachte, wie sich gründjackige frauen vor dem regen in sicherheit bringen wollen, den kampf verlieren und sich auf der stelle wie zucker auflösen. ich mache einen strich auf der liste und nehme noch einen schluck kaffee aus der tasse. lecker kaffee. kein fairer handel, da zu teuer. billigkaffee. egal. schmeckt wie kaffee. gut, wird getrunken. wie auf der arbeit. alles, was wie kaffee schmeckt, wird getrunken. oder angesehen und nach feierabend weggegossen.

gerade rauche ich und höre musik. später geht es zur mutter. danach nach hause. dann wird alte wäsche gewaschen und am nächsten tag über den körper gestreift, der eigentlich vom schwimmen gestählt erscheinen sollte. ja, ich gebe es zu: ich war nicht wieder schwimmen. habe mir lieber einen bauchweg-gürtel aus dem fernsehen bestellt. schlank und schön ohne arbeit. einfach umlegen und schön sein. ist gelogen. besitze ihn nicht. dennoch möchte ich schön und muskulös sein, wie adel. und braun, wie rudolph.

das sind alles vorhaben, die ebenfalls auf meine liste kommen. nun sind es schon dreizehn seiten, die abgearbeitet werden wollen. doch durch zufall werde ich diese liste auf der fahrt zur arbeit in der straßenbahn vergessen. wie die listen zuvor. die alte frau rief mir noch hinterher, dass ich meine besorgungsliste auf dem sitzplatz habe liegen lassen. ich strafte sie nur mit einem bösen blick und wünschte ihr einen schnellen tod.

ist es nicht aufregend, wie sich alles ändert? menschen, freundschaften, das leben. es ändert sich oft und man schaut dabei zu. kuschelt sich in die änderungen und mag sie gelegentlich. es ändert sich momentan einiges und es gefällt mir bzw. nehme ich es an, lasse es auf mich wirken und trinke dabei kaffee. oder die 'kaffee kola' von fritz. leckeres zeug machen die. haben meine werten kollegen entdeckt. sie entdecken immer eigenartige dinge, die mir gefallen. ich muss es ihnen dann immer nachkaufen und bestehe dann darauf, dass es meine entdeckung war. danach schließe ich mich im keller ein und lache gellend, forme berühmte gebäude mit knetgummi nach und zerschlage sie mit der faust. ich bin verrückt.

marvin heißt der kleine junge. er ist niedlich, nimmt alles aus den regalen und lässt es dann liegen. die mutter von marvin ist überfordert. sie wirkt alleinerziehend auf mich und sicher besitzt sie keinen fernseher, da sie die ratschläge der 'supernanny' sonst verinnerlicht hätte. sie erzieht ihr kind ohne nachdruck und disziplin. wenn marvin nicht hört, dann redet sie noch sanfter auf ihn ein. dumme nuss. würde marvin sicher denken, wenn er in einem denkfähigen alter wäre. somit übernehme ich das denken für ihn. habe ihm schon für einige seiner aktionen auf die schulter geklopft und ihm gesagt, dass ich auf ihn warten werde. wenn er dann in 15 jahren im heiratsfähigen alter ist, kaufen wir gemeinsam ein haus in den andalusischen anden. dekorationsmaterial für die küche habe ich gestern in weiser voraussicht schon gekauft. hach, marvin, es wird so fein.

lassen wir das. wahrscheinlich sieht er in 15 jahren ebenso verbraucht aus wie seine mutter. ich schätze sie auf mitte 50, aber wahrscheinlich ist sie anfang 20. oder 17. denn heute ist es ja vollkommen out, wenn man bei der geburt seines ersten kindes über 17 ist. schrecklich. auch allein die vorstellung, dass unsere eltern uns in unserem momentanen alter auf die welt brachten, ist komisch. moment, ich muss diesen satz noch einmal durchlesen. lasse ihn so stehen. mutter bekam mich 28 jahren. nein, sie war 28, nicht ich. das war damals total hipp. wenn man mit 30 schon vier kinder hatte, war man toll. heute ist man asozial, wenn man mit 30 diese kindermenge erreicht.

gleich spiele ich noch ein wenig 'silent hill: origins'. nackt. es macht mich an. dieses spiel verzaubert mich. ich fühle mich an 2002 erinnert, als ich mir den zweiten teil bitter zusammen sparte und dann im laden hin und her lief, nicht sicher war, ob ich über 100 deutsche mark für ein spiel ausgeben soll. seit der euro bei uns angekommen ist, macht man sich kaum noch gedanken über den preis einiger dinge. man kauft sie einfach, da der atomkrieg eh so gut wie vor der tür steht. wenn man dann in den pilz schaut, kann man sagen, dass man lebte und sich etwas leistete. fein. punkt vierziehn auf der legendären liste.

ich schreibe nicht, dass ich in der letzten zeit nur einmal im monat schrieb und es mir leid tut. denn das tut es nicht. und ich schreibe ebenfalls nicht, dass ich besserung gelobe - denn dieses versprechen werde ich nicht halten. ehrlichkeit ist sexy. und weil ich so verdammt sexy bin, komme ich nun zum ende. ich muss mich entkleiden und zu 'white rabbit' vor dem fenster tanzen.






irgendwie von lisa und gundula...

gerade erinnerte ich mich an etwas. 'bin ich dein traummann?', fragte er mit leuchtenden augen. die frage allein schockte mich zutiefst. meine augen fuhren über sein gesicht, seinen hals, die hände, die arme - eigentlich drangen sie in seine anatomie ein. zu lange schwieg ich wohl, denn das gesicht meines gegenübers zerlief wie heißes wachs. ich versuchte zu lächeln, sagte dann spontan: 'nein!'. er schwieg. dann, einige minuten später, fragte er mich, warum dem so sei. eine frage, die kommen musste und eigentlich zusammen mit der ersten gestellt werden konnte. 'warum wohl, du nuss? traummänner sind wahnvorstellungen pickeliger jugendlicher, die noch feuchte träume haben und perspektiven. wärst du mein traummann, dann würde ich dich auf händen tragen. aber das tue ich nicht. wir teilen einfach gemeinsam ein wenig zeit bis zum tod. nichts besonderes. du bist nicht hässlich, aber auch nicht schön. schön sind die blumen am bach, die sich wiegen im wind, der sonne empor wachsen. doch du bist keine blume, du bist ein busch voller dornen und kanten, so wie ich. wir sind beide büsche. ein paar blüten wachsen auf unseren kronen, aber wir sind nichts weiter als buschwerk. das mag traurig klingen, aber so ist das leben.' - das hätte ich antworten können, aber man ist nicht ehrlich. nur gelegentlich. eher bei fragen, wie 'hast du das bauchfleisch gekauft?' oder 'magst du mein neues hemd?'. aber was antwortet man auf die frage, weshalb das gegenüber nicht den traumvorstellungen entspricht? man findet es ja nicht hässlich, sonst wäre man nicht liiert. man möchte etwas sanftes sagen und das thema zum geschlechtsverkehr lenken, denn nach dem sex sind alle streitigkeiten aufgehoben. man zerfließt ineinander, schießt böse gedanken aus seinen genitalien, leert den fundus an überflüssigen zellen, die nur üble erinnerungen sind.
aber sex gibt es nicht. nur diese offene frage. man darf nicht zu lange überlegen, sonst fällt es auf. dein gegenüber weiß dann sofort, dass du nachdenkst. dass du dir nicht sicher bist, was du antworten sollst. gott, es ist ein schrecklicher moment. er wirkt unendlich. vielleicht ist er es auch. die unendlichkeit wurde nie gemessen. zeit spielt keine rolle. es ist die antwort, die zählt. wie ein fisch an land ringst auch du nach luft. die schweißperlen auf deiner stirn erkalten, werden zu eis. auf dem boden der tatsachen leben sie nicht lang. sie zerspringen auf ihm. sind gegenstandslos.
nach gefühlten stunden bringst du ein 'es ist eben so. traumvorstellungen gibt es nicht!' heraus. das befriedigt den frager fürs erste, aber glücklich ist er mit dieser antwort nicht. er wird nicht lange warten und dann erwidern, dass du ebenfalls nicht sein traumtyp bist. dann steht er auf, nimmt die autoschlüssel und fährt davon. fährt ans meer und schaut in die sonne, die seine haut verbrennt. er merkt es nicht. er denkt an sein leben und die dinge, die darin passierten. denkt an lisa. an ihr blondes haar und ihre jungfräulichen schenkel. denkt an ihre vollkommenen blauen augen. sie sind wie das meer. du bist wie das meer. eintauchen in eine blaue masse, versinken und am grunde wandern. die welt um dich herum verschwimmt und du bist einsam. doch es ist das meer, das bei dir ist, dich umschmiegt und deine tränen küsst. das meer besteht aus solchen tränen. hast du schon einmal das meer geschmeckt? es schmeckt nach unerfüllten träumen und endloser freiheit, die niemand erlangen wird.
später wachst du auf und sitzt noch immer in deinem auto. es steht am rande einer verlassenen gegend, die keiner mehr liebt. du schaust aus den fenstern und träumst von einer welt, in der es keine fragen gibt. dann fährst du weiter und blickst nicht zurück.

eigentlich wollte ich nur meine kurze erinnerung niederschreiben, doch dann wühlten sich die gedanken durch die finger und zwangen mich, einen text zu schreiben. wollte nur diesen satz schreiben und dann etwas sinnvolles tun. kekse essen oder träumen. aber dann füllte sich das weiße feld mit buchstaben und sätzen. ich fühlte mich wieder jung und in meinem element. habe ich doch so viele tage nicht mehr an meinem computer gesessen und die worte fließen lassen. zu müde war ich. zu oft schlief ich. oder setzte meine prioritäten anders. habe dich vernachlässigt und nicht mit sätzen gefüttert. doch du siehst mir so etwas nicht nach. gott, ich schweife schon wieder ab. verliere mich in schönen sätzen ohne sinn. lassen wir das. essen wir lieber ein brot und schreiben dann weiter.

ich bin abgelenkt. war gerade auf einer eigenartigen seite, die 38 deutsche web2.0-dienste vorstellt, die in den startlöchern stehen. eigenartige 'social communities', um freunde kennenzulernen, mit ihnen zu speisen, online-karaoke und so. ich will sie alle tot sehen.
damals, vor ca. 5 jahren waren es die blogs, die angesagt waren. doch heute will man nicht nur seine tagebücher online schreiben, nein, man will online leben. soziale kontakte 2.0 - da stehe ich drauf. wenn man sich nicht mehr mag, drückt man einfach auf den löschknopf, der sicher schon 'button' heißt.
oh, und ich habe auch ganz vergessen, mir zum bloggeburtstag zu gratulieren, der am 7. mai war. das wetter war einfach zu toll. ich musste schlafen.

gundula rief letzte nacht an und meinte, ich sei zu sehr damit beschäftigt, für meine einträge ein schickes bild zu gestalten, als selbst einträge zu schreiben. gundula ist fiktiv und hat recht. wir brauchen nicht immer irgendwelche bilder. wir brauchen text. content. so nennt man das heute. und wenn wir nicht auf bilder angewiesen sind, können wir auch spontan aus jeder ecke der welt einen eintrag schreiben. das wollte ich gundula auf diesem wege mitteilen, sollte sie sich noch einmal in meinen gedanken manifestieren.

seit knapp drei wochen arbeite ich wieder, genieße die sonne auf meiner blassen haut und bin oft pervers gut gelaunt. die menschen in der straßenbahn kotzen mich noch immer an. aber momentan entgegne ich dem pack mit einem strahlenden lächeln. so strahlend, dass sie sich ihre augen verblitzen. schön wäre das, aber ich lächle nie. das passt nicht zu meinem düsteren wesen.






irgendwie von wanderbildern dieser welt...

heute war ich mit meiner königin schwimmen. habe neun bahnen geschafft. danach war die puste aus. scheiß raucher. keine kondition. nur nach dem haarewaschen. ich möchte schön sein, noch schöner als bisher. ich will gott zu tränen rühren. er soll vor seiner schöpfung niederknien, seinen kopf tief in ihren schenkeln vergraben und schluchzen. er wird abdanken und seinen thron räumen. endlich. montage werden abgeschafft, der sonntag wird auf zwei tage verteilt, weil das schon immer der größte wunsch der menschheit war. auf schwachsinn gibt es die todesstrafe. ich bin der erste. dumm gelaufen. thron wieder frei. kommt ein anderer, besitzt das copyright auf alle jahreskalender dieser welt. bastelt neue monate und freut sich, dass das jahr nie wieder ein ende hat und niemand älter wird. alle langweilen sich dann. und ich schweife ab.

ja, es geht mir gut. es geht mir verdammt gut. die sonnestrahlen des frühlings schlossen mein herz auf und drückten gutes gemüt in mich. es machte ein geräusch, als wenn man in ranzige butter prügelt. und - plopp! - war da das gute gemüt. ganz plötzlich von heute auf morgen. und dann noch schwimmen, durch die gegend laufen und lachen. lachen, was das zeug hält. sich nicht mehr grämen und heimlich bunte kleidung tragen.

bejeweled 2 ist meine neue liebe. ich kann nicht von diesem spiel lassen und musste es sogar animiert in mein heutiges bild mit einfließen lassen. es macht so einen grandiosen spaß, dass wichtige dinge in ihrer priorität einfach nach hinten geschoben werden. 'nein, ich kann nicht mit dem hund zum tierarzt, ich muss gewinnen!'
das spielprinzip ist alt: es gibt juwelen und man muss mindestens drei der gleichen farbe zusammen bringen, dann verschwinden sie. setzt man vier zusammen, so erhält man einen funkelnden juwel, der eine sprengkraft in einem sehr kleinen radius hat. ab fünf juwelen bekommt man einen power-juwelen, der alle juwelen vom spielfeld sofort entfernt, sobald man sie auswählt. ein famoses spielt. man sollte zusehen, dass man combos schafft, die das spielfeld zum wackeln bringen. ich kann nicht mehr aufhören. es ist zu grandios.

gestern habe ich begonnen, den blog ein wenig aufzuwerten. ich wollte ihm zum nahenden geburtstag etwas gutes tun und werde die bilder zu den einträgen nachbearbeiten und einen neuen hintergrund basteln. das blog muss wieder leben, es muss wieder viel öfter etwas geschrieben werden. es nervt, wenn man täglich gefragt wird, ob man endlich einen verschissenen text geschrieben hat.

und da ich es heute nicht übertreiben will, werde ich hier nun ersteinmal abschließen. man soll ja eh nicht zu beginn sein gesamtes pulver verschießen.






irgendwie vom debilen frühling...

graues fleisch spannt sich über die alten knochen. dort, wo einst das lachen lebte, thronen nun farblose lippen, die einziger lichtblick des ensembles sind. verbraucht sieht er aus. augenränder bis zum boden. ein müder mensch. wirkt, als schliefe er seit hundert jahren. würde nichts anderes kennen als den schlaf. tut auch zwischendurch nichts anderes. schlafen. als flucht? als quelle der erholung? beides? die antwort weiß er nicht. er steht vor dem spiegel und schaut sich die furchen an, die vor einer woche noch nicht da waren. du bist von einer sekunde zur anderen gealtert. wie im flug. das ist auch egal. man kann nichts dagegen machen. q10 ist nicht hilfreich. außerdem kostet es geld. die haare liegen auch wie sie wollen. sie wurden oft gemacht, auch wenn es nur kurz zum kaufmann ging. heute ist es egal. man steht auf und geht zum kaufmann. schaut nicht einmal vorher in den spiegel. alles egal. wir sind kein modepüppchen. wir sind wir. ganz ohne schnörkel. menschlein. wie du und ich. nein, trotzdem irgendwie anders.

habe ein paar filme geschaut, um mich vom nahenden wahnsinn zu schützen. filme, die ich schon seit ewigkeiten sehen wollte. unter ihnen waren perlen. nur einige waren schund. aufgesogen habe ich sie. von einem lausche ich nun die musik. eine wunderschöne musik. ein stück muss die ganze zeit auf wiederholung gehört werden, da es die stimmung in diesem raum untermalt. dabei rauche ich gelegentlich. drehe momentan meine zigaretten selbst. bin nun davon überzeugt. außerdem spart es geld und ich rauche weniger. wenn es hochkommt, dann rauche ich momentan knapp 10 zigaretten am tag. sonst waren es zwei schachteln. vielleicht lebe ich dadurch ein paar qualvolle tage länger. kann es kaum erwarten.

später stehen wir zeitig auf und laufen durch die gegend. schauen uns natur an und suggerieren uns, dass es uns gefällt. dann springen wir wie blöde durch den frühling, atmen die neue luft des frischen tages ein. die natur spüren. eins mit ihr sein. blumenpflücken. schneckenstreicheln. kotzen.
natur. welch öde erfindung. sie widert mich an. sie wirkt immer so fröhlich. schaut mir mit ihren grünen augen nach. streichelt mit ihren blättern mein graues gesicht. kriecht in meine nasennebenhöhlen und lässt mich niesen.
zwischendurch mag ich sie aber doch. wenn liebe im herzen ist. dann schaut man sich dumm an ihr. liegt auf einer blumenwiese mit einem partner aus fleisch und guckt gemeinsam debil irgendwelche gebüsche an. ein traum.

die stunden vergehen zu schnell. die tage laufen. wie wachs. flüssiger wachs. natürlich. kaum erwacht man, geht man schon wieder ins bett. und andersrum.






irgendwie von individuellen zigaretten...

ich bin müde. trinke dabei leitungswasser und höre musik. nebenbei rauche ich zigaretten, die ich mir selbst drehe. dabei entspanne ich fünf minuten. schaue kurz aus dem fenster und wünsche mir schnee. gestern war welcher da. nur ganz kurz. ich wollte schneeengel machen, hatte dann aber spontan keine lust mehr dazu. die musik im hintergrund wiederholt sich. habe das stück auf wiederholung gestellt. es ist dramatisch. und schön. dramatisch schön. nun drehe ich mir wieder eine kippe, zünde sie an und ziehe den rauch tief in meine lungen, warte dann kurz und hauche ihn elegant durch den kleinen raum, den ich wohnung nenne. ein weiterer zug. ein weiter blick aus dem fenster. eine weitere wiederholung des musikstücks. eine endlosschleife. nur die zeit geht weiter und ich schaue ihr dabei zu. nach einigen zügen wir die zigarette in den ascher gedrückt. dort trifft sie ihre freunde. sie unterhalten sich auf ihrer sprache und verstummen dann. denken sie auch an die liebe? denken sie überhaupt? wahrscheinlich ist das denken nicht so wichtig für sie. die glücklichen. sie leben einfach in den tag. sind frei. sind stummel. stumme stummel. ein brüller.
gleich raffe ich mich auf und fahre zum leeren kaufhaus. dort ist am samstag eine party und ich helfe. einen flyer poste ich morgen. dazu habe ich jetzt keine lust. eigentlich habe ich gerade zu nichts lust. möchte nur schlafen, rauchen und wasser trinken. dabei an die liebe denken.

mein blick schweift über verschiedene profile, die kleine geschichten erzählen. geschichten von nichtigkeiten. bilder ohne aussage. profillose profilbesitzer. es widert mich an. und doch klicke ich auf den link und schaue sie mir an. ich bestrafe meinen geist. wenn ich nicht fröhlich bin, dann soll auch er leiden. noch ein profil. irgendwelche bilder von körperteilen. oberkörper. muskeln. schwänze. alles schon einmal gesehen. hat man selbst teilweise. braucht man sich nicht anschauen. web 2.0. wir schauen fleisch, bestellen uns fremde menschen nach hause, um ihre genitalien in den mund zu nehmen. das alles für eine halbe stunde des vergessenes. danach wirft man die taschentücher in den müll, raucht vielleicht gemeinsam eine zigarette und sagt, dass es gut war und man sich unbedingt wiedersehen muss. das wird nicht geschehen. kaum endet so ein abend, vergisst man ihn schnell. einer dieser vielen abende. alles schon erlebt. alles langweilig. kein pfeffer.
sowas habe ich seit ewigkeiten nicht mehr gemacht. ich brauche es nicht. es langweilt mich. es lässt mich kalt. und dennoch stochere ich in diesem brei herum. dem brei aus profilen.

noch eine zigarette bitte. das hirn gibt den befehlt an die innere drehmaschine weiter. in wenigen sekunden wird eine zigarette gedreht, die zwar nicht fabrikneu erscheint, aber etwas individuelles ausdrückt. eine individuelle zigarette. wundervoll. es gibt sie nur einmal auf dieser welt. ich rauche sie.

dann raffe ich mich auf und betrete den rest des tages.






1995 oder so...

1995






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...irgendwas mit schnecken. Find ich gut, hier wieder...
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