irgendwie von den lesefrauen...

An der Haltestelle sehe ich sie täglich: Die kleinen untersetzten Frauen, die mit spitzen Fingern in ihren Liebsromanen nesteln und liebevoll mit der anderen Hand den Buchrücken schaftartig umkreisen. Sie träumen sich in Welten, die ihnen in ihrem kargen Alltag im Großraumbüro verborgen bleiben. Während sie Millimeterpapier sortieren, könnten sie sich in Tagträume verfangen; tun dies aber nicht, da ihnen die Phantasie fehlt. Deshalb lesen sie. Sie saugen die Ideen und Träume eines Bestseller-Autors auf, der sie niemals auf der Straße grüßen würde; der in einem Haus wohnt, das aus Tränen und Träumen der Lesefrauen gebaut wurde. Dort hält er ausgewachsene Frauen gefangen, die er im Wald beim Joggen entführte. Er fesselt ihre Beine und Arme mit Kabelbindern zusammen und isst dabei Bohnen. Nebenbei schreibt er weitere Liebesromane und hasst sein Leben.






irgendwie im gedankenstrudel...

ich soll über mein neues hobby, das 'edging' schreiben.






Das Leben

Warum kann das Leben allgemein nicht so schön sein, wie der Moment, in dem man eine Tasse Kaffee trinkt?






#002

Die Sonne reibt sich ihre müden Augen mit Fingern so gülden wie Raucherlungen im Herbst.
Umarme den Tag, Sukkubus, und vertreibe die mandelförmige Nacht!
Ergieße deine Liebe in unbändigem Feuer; verschließe die Sehnsucht in Stein.






#001

Der Morgen klimpert mit seinen falschen Wimpern;
die Baustellen erwachen. Dröhnendes Gerät lässt meinen Kaffee stocken.






kammer sieben - contradictory necrologues

nach sieben jahren melden sich kammer sieben mit contradictory necrologues zurück, einem album, das ihre musik neu definiert. wie gewohnt setzen kammer sieben auf pathos, gemischt mit elektronischen einflüssen. der clou ist, dass das folge-album zu unfinished movies kostenlos zur verfügung gestellt wurde. ein geschenk zur wiedervereinigung, die im august 2012 stattfand.


Das komplette album ist hier erhältlich.






irgendwie blauäugig...

Lesbensex. Die wahrscheinlich letzte Hürde eines schwulen Mannes in meinem Alter. Die Schamlippen leerer Charaktere klatschen drei Stunden lang aneinander. Flache Dialoge suchen ihresgleichen. Schablonenhaft werden Klischees der LGBT-Welt bedient. Und ich mittendrin. Das ganze schimpft sich Arthouse und es kommen Leute, die besondere Filme lieben. Sie tragen ihr graues Haar mit Stolz und gucken intellektuell, fassen dabei an ihr Kinn und rümpfen die Nase. "Seitdem ich Arthouse-Filme gucke, ist mein Leben so vollkommen.", sagen sie, bevor sie sich mit einer abgesägten Schrotflinte selbst richten. Es ist Ewigkeiten her, dass ich einen Film sah, der vor Belanglosigkeit schier explodierte. Eine schnöde Aneinanderreihung von episodenhaften Szenen, in denen die Charaktere Gespräche über Nichtigkeiten führen, dabei ständig Nudeln essen oder explizit koitieren. Und das in einer sechsminütigen Szene. Die Hauptdarstellerinnen lecken sich gegenseitig wild die Rosetten und man wartet darauf, dass ein Säureattentat auf das Kino vereübt wird, während man sich diesen Schund reinzieht.
Dieser Film gewann die Palme d'Or (Goldene Palme) in Cannes. Das erste Mal wurde nicht nur der Regisseur damit belohnt, sondern auch seine angeblich grandiosen Hauptdarstellerinnen. Rezensenten auf der ganzen Welt loben dieses Meisterwerk bis in den Himmel, schreiben, dass dieser Film nicht eine Minute zu lang dauert, dass er vor Emotionen nur so sprudelt. Wenn sie damit die Trivialität meinen, kann ich das nachvollziehen.

Ich überlege auch, ob es vielleicht an mir liegt. Durch jahrelanges Genießen von Filmen habe ich sicher meinen Anspruch ziemlich hochgesetzt und lasse mich nur schwer von Mainstream-Filmen einlullen, die ihre fade Handlung hinter wundervollen CGI-Effekten verstecken. Und dann kommt dieser französische Film daher. "Blau ist eine warme Farbe" (La vie d'Adèle). Sicher ein Film, der Herta Müller gefallen hätte. Sie bekam den Nobelpreis für Schund.

Nach dreistündiger Belanglosigkeit sitzt man im Kinosessel und freut sich, dass man noch halbwegs bei Verstand ist. Die Arthouse-Menschen verlassen befriedigt das Kino, denn alles, was großartig bewertet wurde, ist großartig. Mein Bruder und ich bleiben noch eine Weile sitzen und können unsere Erschütterung kaum verbergen. Sogar das Carrie-Remake besaß bessere Dialoge, obwohl ich mir beim Sehen oftmals auf die Finger beißen musste, um nicht irgendwelchen Menschen die Augen einzudrücken. Schlechte Dialoge machen mich fertig. Ich möchte den Autoren dabei zusehen, wie sie ihr Werk fressen müssen. "Du riechst als hättest du gefickt." - Die Arthouse-Leute lachen. Eine Familie sitzt abends am Tisch und die Mutter fragt, ob der Vater die Brust möchte - die Arthouse-Leute lachen wieder. Sicher ist es ein Verlegenheitslachen, das sich automatisch absetzt, wenn sein Widersacher nicht weiß, ob es sich um einen intellektuellen Witz handelt. So lacht man einfach mit. Lachen kann ja nicht schaden.

Wirkliche Perlen der Filmgeschickte verschwinden ungesehen in irgendwelchen schwarzen Löchern, die hier ausgiebig ausgelutscht wurden. Angeblich spielt der Film in einer Zeitspanne von zehn Jahren, doch die leeren Charaktere bewegen sich in dieser Zeit keinen einzigen Zentimeter. Und dem Zuschauer wird der Blick auf die Inhalte der Geschichte verwehrt. Es ist ihm nicht möglich, dem Geschehen zu folgen, da in diesem Film nichts passiert.
Wer darauf steht, Menschen beim Essen und Tanzen zu beobachten, kommt bei diesem Rotz garantiert auf seine Kosten. Doch wie schlecht die anderen Einreichungen in Cannes sein mussten, kann man nur raten. Garantiert ist es wieder so ein Ding, das über Kontakte und Schmiergelder abgefrühstückt wird. Enttäuschend, unendlich.

Ansonsten hat sich in meinem Leben nichts getan. Ich sitze noch immer täglich auf meiner Couch und warte darauf, dass mich Gott zu sich ruft, um mir eine neue Aufgabe zu geben. Aber er tut es nicht. Sicher bin ich zu kritisch für ein Leben nach dem Tod und werde zur Strafe auf ewig hier verweilen.

Ich brauche jetzt dringend meinen achten Kaffee.






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fa - la - fel
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