irgendwie von jesus und anderen randgruppen...

es duftete nach frischen pfannkuchen. braungebrannt und mit apfelmus. sicher noch eine kugel eis oben drauf. zucker und zimt. wundervoll. doch es war nicht für mich angerichtet. ich stand lediglich im treppenhaus für eine weile und erschnupperte das fremde mahl. wie glücklich sich diese menschen schätzen können, wenn sie jetzt pfannkuchen essen dürfen. war mein gedanke. dann lief ich mit meinem letzten geld zum kippenladen und kaufte mir zwei packungen billig-cigarillos, vom flaschenpfand eine packung toast und salzstangen. später, so mein plan, werde ich noch die anderen pfandflaschen zum getränkemarkt bringen. da kommen dann sicher noch 2€ zusammen und ich kann mir dann sicher noch ein getränk kaufen. sollte dies nicht der fall sein, gehe ich anschaffen, verkaufe meine seele oder meine milz. irgendwie werde ich zu geld kommen.
die cigarillos sind ekelig und kicken nicht so, wie es andere kippen täten. sie ziehen sich sehr schwer. im kleingedruckten der packung steht, dass sie ein produkt von reemtsma sind. es ist geradezu wundervoll, dass einige firmen dinge herstellen, die sich menschen in meiner situation leisten können. sie sind die helden der neuzeit. ein brennender busch.

der heiland ist gestern gestorben. also nicht direkt gestern. denn es ist schon ein paar jahre her. und heute morgen liefen ein paar komische leute durch das ghetto und verteilten bunte ostereier. eine frau und ein türke. sie sprachen die leute an, ob sie ihnen ein osterei mitgeben dürfen. mehr nicht. sie sagten nicht, von welcher organisation sie kamen oder was sie damit bezwecken wollten. wahrscheinlich waren es psychopathen, die mit in mäusebutter geschwenkte eier unter das volk bringen wollten. 'töten wir heute alle christen, süleyman!' - 'is gutes plan, drachenfrau.'

mein traumhaus ist nun weg. wahrscheinlich schrieb ich das schon tausendmal. es wurde letzten samstag abgerissen. ich stand dort und winkte mit einem schwarzen seidentuch. vorhin ging ich an der wunde vorbei, die nun das einzige ist, was zurückblieb. es ist trostlos und ich weinte leise in mich hinein, so wie ich es jeden abend tue. dann lief ich die hauptstraße entlang. tragische musik ertönte, während mein langes haupthaar im winde mit der trauerweide um die wette wehte. so ein bullshit. scheiß prosa. aber ich kann nicht anders. nein.

morgen geht es zum geldschnorren und zur auferstehungsfeier zur mutter. ich werde mich christlich geben und mit ihr vor dem mittag beten. dann zünde ich eine kerze an und lobe den herren. werde mich auch vorher rasieren, mir die schuhe putzen und vielleicht eine krawatte umbinden. ein paar minuten vorher lerne ich noch ein paar komplimente auswendig, die ich an alten menschen erprobte. so kann nichts mehr schieflaufen.

nun muss ich eine rauchen und ein paar salzstangen in mich drücken, um in totalem selbstmitleid aufzugehen. später melde ich mich zurück.






was bleibt - dismembered memories

was bleibt - dismembered memories


Ende 2007 trat der Autor Thomas Sabottka mit Butow Maler in Kontakt. Er schrieb gerade an seinem Buch "Was bleibt" - eine Reihe von Erzählungen, die - den Friedhof der Namenlosen in Wien als Ausgangspunkt habend - sich alle um das Sterben, den Tod und unsere Erinnerungen an die Verstorbenen drehten. Maler wollte er als Fotografen für das Buch gewinnen, da die beiden schon öfters über eine Zusammenarbeit sinniert hatten. Der Zufall oder die Synchronizität wollte es, dass Butow Maler und Herr Twiggs mit ihrer Band Kammer Sieben gerade mittendrin an den Arbeiten zu ihrem nächsten Album steckten: "Blackened Epitaphs", eine Sammlung von Liedern über das Sterben, den Tod und unsere Erinnerungen an die Verstorbenen.

Schnell ward die Idee geboren, nicht nur auf visueller und textlicher Ebene zusammenzuarbeiten, sondern ein gemeinsames Werk aus Texten, Bildern und Musik zu schaffen. Kammer Sieben spielten bereits für die "Blackened Epitaphs" konzipierte Stücke neu ein und bearbeiteten ihr "Dismembered Memories", das titelgebend als neue Orchesterversion den Reigen beginnt und in einer reduzierten Klavierversion dann auch wieder beendet. Zwischendurch führen die vergessenen Erinnerungen durch neoklassische und industrielle Klänge zu Texten von Agnes Miegel, Georg Trakl und Heinrich Heine.

"Was bleibt / Dismembered Memories" erscheint als Buch mit CD in einer limiterten Auflage von 300 Exemplaren und ist auf der Netzpräsenz von Kammer Sieben bestellbar.

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"Was bleibt – Dismembered Memories"
Limited Edition
Hardcoverbuch inkl. CD (keine cdr!).
Limitiert auf 300 Stück!
100 Seiten (42 Fotografien) Hochwertiger Bilderdruck, fadengeheftetes Hardcover im Format 16x16cm
Texte: Thomas Sabottka
Fotos: Butow Maler
Musik: Kammer Sieben Tracklist: Dismembered Memories (Was bleibt Version), Heilige Liebe, Ihr (Version), In den Nachmittag geflüstert, Altes Lied (Piano Version), Into the Waves, Dismembered Memories (Piano Version)






irgendwie von balkanischen keksfabrikanten...

vor einigen tagen hatte ich das gefühl, man würde mich observieren! paranoid ging ich zum briefkasten und sah mich einige male um, ob irgendwelche menschen von mir schnappschüsse machten. eigentlich geht man als relativ normaler bürger davon aus, dass man nicht observiert wird. aber ich habe seit einiger zeit so ein knacken in der telefonleitung und oft benutze ich wörter wie: terror, bombe, arschlecken und balkan. da wird irgendwann das kontrollorgan stutzig und fängt die post ab, öffnet sie vorher und belauscht meine obszönen telefonate mit der königin. und die post haben sie wirklich geöffnet! ich erhielt einen brief meiner krankenkasse, der von der deutschen post noch einmal extra in eine plastiktasche geschweißt wurde. darauf stand, dass der brief unterwegs beschädigt wurde. doch die beschädigung war so fein, dass ich sie nicht als beschädigung ansah. es wirkte auf mich, als hätte man den brief mit einem scharfen gegenstand göffnet. einem brieföffner vielleicht - was durchaus naheliegend ist, wenn man einen brief öffnet. es fehlte nichts im brief und so spannend war er nicht. wäre er jetzt aus dem ausland oder einem terrorstaat oder dem balkan, dann wäre das sicher erlaubt, einfach so in meine post zu schauen. und ein brief beschädigt sich nicht selbst auf diese art. es gab keine rissspuren oder ähnliches. und in diesem moment wünschte ich mir meinen agentenkoffer aus dem yps-heft zurück. dort gab es 1985 (war ich da überhaupt schon geboren?) dieses fingerabdruckpulver und... - so ein quatsch. ich will nicht wissen, wie viele postangestellte meinen brief schon mit ungewaschenen händen befingerten, nachdem sie vom klo kamen. verteilen wir noch ein paar baktieren, der brief kommt immerhin von der krankenkasse.
seit langer zeit warte ich auch auf meine speicherriegel von ebay. im gebot stand, dass der standort deutschland sei. das war famos. keine langen wartezeiten. doch in der mail stand etwas anderes. der zoll nennt es 'drittland'. das wort muss wohl noch aus führers zeiten stammen. jedenfalls liegt mein paket abholbereit auf dem zoll am arsch der welt. wahrscheinlich muss ich draufzahlen. was soll sowas? ich muss tausend unterlagen mitbringen, die beweisen, dass ich der käufer bin, was der inhalt ist und so weiter. sollte ich das paket bis ende des monats nicht abgeholt haben, so wird es vor einem schlafenden publikum in die luft gesprengt.

dass ich lange nicht geschrieben habe bin ich mir bewusst. die laune war nicht da. die kleinen schwämmchen, die ich jeden morgen schlucke, entzogen mir jeglichen willen der kreativität. gelegentlich saugen sie auch gedanken auf und lassen mich kleinigkeiten sofort vergessen. dann sitze ich da mit einer tasse mehl und weißt nicht, was ich damit wollte. schaue dann gegen die wand und versuche mich zu erinnern.
heute erhielt ich elektronische post. darin befand sich ein link zu einer schlecht gestalteten internetseite. angeblich eine weitere abmahnwelle gegen homepagebesitzer. ich gähnte leise vor mich hin. eine verlinkung führt auf einen artikel von 2003. alter schuh. schon damals hatten alle angst und zogen mit ihren familien in den balkan. wo auch immer das ist. die selbsternannte internetpolizei findet jeden. so wie die modepolizei. und die hat täglich mehr zu tun.
ich mache mich da nicht verrückt. damals musste man alle liedtexte aus den blogs nehmen, da irgendwo zwei leute deswegen abgemahnt wurden. und nichts wurde daraus. seitdem kopiert jeder munter weitere liedtexte in seine seite.
an einem impressum arbeite ich derzeit, obwohl ich mir sicher bin, dass ich nicht dazu verpflichtet bin, eins auf diese seite zu setzen, da ich keinen journalismus betreibe. da ich aber momentan mehr als liebe- und kuschelbedürftig bin, freue ich mich natürlich über angebote per post. und deshalb wird es bald eine kontaktadresse für liebe und drohanbriefe geben. außerdem sage ich mir immer: nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. und da ist wahres dran. man muss nicht einmal koch sein, um das zu wissen (obwohl ich vor einigen tagen einen befreundeten koch fragte, wie er das sehen würde).

mein traumhaus besteht nur noch zur hälfte. habe es heute gesehen. ich war geschockt. nun kann ich die zimmerchen sehen, die mir einst verborgen blieben. ich sah eine treppe, auf der ich mit lisa gerne gesessen hätte. es ist schade um dieses haus. und schon bald wird dort irgendwas ekelhaftes gebaut werden. ich bin mir dessen sicher, da in meiner nachbarschaft niemals etwas gebaut wird, auf das man stolz sein kann. sicher ein mehrfamilienhaus für schwererziehbares. oder für abgehalfterte wow-spieler, die sich für 5000g gold flachlegen lassen.

bald sollte ich das bett aufsuchen. meine augen sondern wieder so einen komischen schleim ab.
achja, letzte woche war 'kiki aus berlin' zu besuchen. wir haben uns tiere angesehen und fotografiert, sind bei regen durch nächtliche wälder gelaufen und haben lieder aus vergangener zeit gesungen. eigentlich machen wir nie etwas anderes. aber dazu demnächst mehr. denn jetzt muss ich in die falle und werde bald wieder die finger über die tasten jagen.






irgendwie vom hämmern und nageln...

'ich bin eine vorzeige-hausfrau. täglich hänge ich 47 bilder auf!' - so fühlte es sich jedenfalls an. und so würde sie sicher antworten, fragte man sie. tagelang ging das so. ein wildes hämmern über mir. ein zaghaftes hämmern, das erklingt, wenn man zum ersten mal in seinem leben einen sarg baut. in der mittagszeit verstummte das hämmern. dafür hörte man sie mit dem kind spielen. sie unterhielt es mit einer ausgedachten sprache. es waren unheimlichere satzfragmente als das wolfskind sie je über seine lippen zu bringen vermochte. ich lag derweil in meinem bett und lauschte. dort liege ich momentan die meiste zeit. geschwächt. beobachte die bäume draußen, wie sie sich in der emma wogen. 'endlich sturm!' - dachte ich und holte weitere ausrufezeichen aus der schatulle. endlich wieder weltuntergangsstimmung. verwaiste regenschirme würden die straßen säumen. schreie zur morgenröte. ich würde den menschen winken, die panisch an mir vorbeiflogen - doch das trat nicht ein. emma war enttäuschend. also sollte die wiedereröffnung meines hemischen lidls mein herz trösten. und heute sollte es so weit sein.

mein stamm-lidl schloss vor zwei wochen seine pforten. ich war erschüttert. auf andere einkaufsmöglichkeiten musste zurückgegriffen werden, doch habe ich das problem, dass ich ewig brauche, bis ich mich in einem mir fremden geschäft zurechtfinde. so war es dann auch. stundenlang lief ich zwischen verschiedenen warengruppen hin und her, wusste nicht, wo ich das finden sollte, was ich suchte. so kaufte ich einen luftentfeuchter, der nun in meiner wohnung steht und die luft entfeuchtet. ich rede mir ein, dass meine wohnluft schon trockener geworden ist. das bettzeug ist gar nicht mehr so klamm von den tausend tränen, die ich täglich weine.
zudem kaufte ich mir noch apfelduftkerzen samt kerzenglas. sie brennen hier täglich und machen sicher die luft wieder feucht. zwei wochen am stück kaufte ich dinge, die mir zwar schmeckten, aber mich nicht trösten konnten. zu sehr war ich verliebt in meinen lidl. mein ein und alles. sicher sperrt man mich demnächst weg, wenn ich weiterhin sowas schreibe.

der lidl öffnete heute seine pforten. man baute ein umgebäude um den lidl herum. weshalb auch immer. nun sieht er aus wie ein kasten. oben schaut noch die spitze vom alten dach heraus. komisch. drinnen ist es größer und sortierter. die ganzen produkte stehen woanders. der boden ist sauber. die obstecke bekam neues licht, damit die waren natürlicher wirken. ich war dort. kurz nach acht. einer der ersten. die muster der bodenkacheln verwirrten mich. sie brannten sich in meinen kopf. ließen mich wanken. ich war enttäuscht. der lidl ist zwar schöner, aber alles ist so ordentlich und ich finde nichts mehr. außerdem war es das reinste chaos: hunderte von menschen kauften um kurz nach acht ein, schlugen sich um non-food-sonderangebote oder gebaren ihre kinder in der neuen kühlecke.
tausende von einkaufswagen schnitten mir den weg ab. ich tanzte wild um sie herum, steckte eingeschweißte sandwiches in meinen hutkoffer und verschwand. das war mir zuviel. ich legte mich erst einmal schlafen.

im letzten eintrag schrieb ich von meinem traumhaus. und es wurde wirklichkeit: es wird nun abgerissen. dieser eigenartige zufall gab mir zu denken. wieder saß ich dort mit einem weinglas voll fanta und dachte über die vergänglichkeit nach. als mir das nach fünf minuten zu stupide wurde, legte ich mich erst einmal schlafen.

morgen stehe ich früh auf. werde zur krankenkasse fahren, danach meinen nutzlosen vorverstärker umtauschen, mir von dem geld wohl einen dvd-player kaufen und dann zum arzt fahren, um mir neue tabletten zu holen, da ich keine mehr habe. danach gehe ich zum lidl. wenn ich das alles erledigt habe, lege ich mich erst einmal schlafen.

langsam gewinne ich den eindruck, dass ich zu viel schlafe. kraftlose sinke ich oft hernieder und kann meine beine kaum noch spüren. wenn ich lange sitze, muss ich mich ausruhen. fühle mich momentan oft wie 88. auch negerpunk aus der stereoanlage kann meine müden knochen nicht erwecken.

nun lege ich mich erstmal fünf minuten auf das bett, bevor ich aber schlafen gehe, werde ich noch mit kiki auf amerikaner schießen.






irgendwie von der karibik...

vor einiger zeit entdeckte ich mein traumhaus. es steht zwar nicht auf einem hügel, wie ich es mir immer ausmalte, sondern mitten im ghetto meiner kleinen stadt. dort, wo auch ich wohne. das haus ist klein und schön. oft stellte ich mir vor, wie ich darin mit meiner familie und meinen freunden, die meine familie sind, säße. wir würden jeden abend raclette machen und bei dürftiger beleuchtung wein trinken. roten. der weiße macht mir bauchkrämpfe und ekelhaften durchfall. oft über mehrere tage hinweg. aber in einem schnuckeligen haus ist das egal. da wird durchfall zur leidenschaft. und mein haus ist schnuckelig. es hat zwei stockwerke. jeden tag gehe ich an ihm vorbei und träume. der garten müsste gemacht werden. es ist verwildert. vor einem knappen jahr befand sich noch ein öko-laden in ihm. nun steht es leer und weint leise in die nacht hinein. oft stehe ich an dem kaputten zaun und versuche das haus mit kleinen anekdoten zu beruhigen.
auch heute ging ich wieder zu meinem haus. doch diesmal war alles anders: im vorgarten steht nun ein bagger. es scheint, als würde man das kleine haus in der nächsten zeit abreissen. oder man wühlt den vorgarten auf und ein türkischer kiosk wird dort entstehen (als hätten wir nicht genug davon! man kann kaum noch treten!). es schauderte mir. unglaublich. ich habe wohl zu laut in mich hinein gewünscht. und das ministerium für wünsche (mfw), das darüber entscheidet, ob bestimmte personen ihre wünsche erfüllt bekommen, dachte sich, dass es mir wieder einmal einen strich durch die rechnungen machen könnte. das mfw ist immer sehr beschäftigt, aber wie es auch andere organisationen tun, werden bestimmte persönlichkeiten beäugt. es beäugt mich schon lange. verfolgt mich durch dunkle gassen. kramt seit jahren in meinem kopf herum, um mir meine träume und wünsche zu entlocken. die größten werden dann nicht erfüllt, in eine dickte akte gelegt und im mfw-archiv vergraben. verdammt, ich werde dieses haus niemals besitzen und am fenster das treiben des tages bei einem kaba beobachten. das schreit nach rache!

heute haben ich die mutter besucht. sie hat ihr wohnzimmer umdekoriert. außerdem gab es neue haustüren und das treppenhaus wurde gestrichen. nun sieht es in diesem block nicht mehr ganz so asozial aus. und es riecht nach frischer farbe. leider ohne lösungsmittel. das waren noch zeiten, als man kleber und farben mit lösungsmitteln kaufen konnte. so wurden tägliche bastelstunden im erziehungsheim zur einer wahren freude! kappe ab und rein mit dem zeug in die nase. realitätsflucht für einen kurzen augenblick. farben sehen. wände, die zerfließen. eins sein mit gott. noch einmal auf die tube gedrückt und tief eingeatmet. frühstück mit hekate und askese. bunte blumen im winter. ja, noch einen tiefen zug. die seele weicht auf, der körper schwimmt im licht der nacht. dreizehn eichhörnchen springen durch mein bastelzimmer und formieren sich zu irgendwas. mehr kleber in die nasennebenhöhlen gedrückt. den geist verkleben. hochziehen. gedanken und seele kleben aneinander. tolles gefühl. wie ein mexikanisches straßenkind. hat immer eine tüte klebstoff dabei. der tag wird sein freund. braucht ein bastelzimmer. nur für das gefühl. ein tolles setting.

gestern spazierte ich durch die dunklen seitenstraßen. vom wahnsinn getrieben starrte ich in funzelig beleuchtete schaufenster. in einer imbissstube stand eine dicke frau hinter dem tresen. so, wie man es sich in alpträumen vorstellt. sie stand dort und hebelte mit einem gerät im brutzelnden fett herum. dabei unterhielt sich sich mit einem untersetzten mann. es war wie in einem bilderbuch, einem klebrigen mit vergilbten seiten. schemen lasen es zuletzt. nun liegt es unbenutzt unter dem bett, sehnt sich nach einem leser, der sich nicht zu fein ist, seine finger in die einöde zu tunken. es an sein herz zu drücken. die buchstaben aufzusaugen. doch keiner wird es jemals wieder tun.

nun muss ich mich ausruhen und musik hören. habe der mutter eine cd gebrannt mit toller musik. dabei schnitt sie meine haare, damit ich wieder niedlich wirke. sie mochte die musik. ich warnte sie, die cd nicht zu spielen, falls mal die antifa zum frühstück vorbeischaut. sie lachte nur und wischte sich den arbeitsschweiß mit der armbinde ab. dann tranken wir deutschen kaffee und träumten von der karibik.






irgendwie unkreativ...

am samstag ist mir etwas eigenartiges in meinem bremer örtchen aufgefallen: dunkelhäutige ausländer standen in der stadt verteilt mit akkordeons vor den supermärkten und spielten eigenartige musik, die niemals in ihren ländern vorkommen würden. neben ihnen stand jeweils ein kleiner hocker mit einer bunten plastikschale. das verwirrte mich zutiefst. wenn man in ihre nähe kam, lächelten sie europäisch und drückten das musikinstrument an ihre geschwollene brust. ich starre oft eine kleine weile, dann gehe ich weiter. im vorbeigehen zu starren ist auch eine möglichkeit, die gern gesehen wird.
damals bettelten frauen mit schlafenden kleinkindern im arm vor teuren boutiquen - heute, wo die kinder erwachsen sind, stehen die väter mit musikinstrumenten vorm plus und spielen die nationalhymne. ein dankeschön an das gastvaterland? ich weiß es nicht. das ist alles so eigenartig geworden in der letzten zeit. da bleibt keine zeit für gedanken. und eben gerade, ebenfalls vor dem plus, kam mir eine kopfbetuchte alte frau entgegen, die über ihre schulter einen komischen sack trug. auf einer mir fremdlich erscheinenden sprache jaulte sie mich an und kam mir entsetzlich nahe. ich sprang kreativ ins planquadrat e4 und suchte meinen heimweg auf. daheim angekommen durchforstete ich die werbungsbeilagen des tages. wie fein: eine frage beantworten und dann den wisch losschicken. innerhalb der nächsten woche bekomme ich ein sturmfeuerzeug geschenkt. ich liebe sturmfeuerzeuge. bin eh für alles zu haben, das die vorsilbe 'sturm' trägt.

ich muss dringend zur bank nachher. ich kann unmöglich mit so einem großen geldschein einkaufen gehen. deshalb hungerte ich gestern. man kann nicht mit einem 100€-schein eine schachtel zigaretten bezahlen. gut, das kann man schon, aber ich kann das nicht. fühle mich dann immer schlecht. vielleicht sollte ich mich vor dem einkauf betrinken. dann könnte das vielleicht klappen.
so lasse ich ihn nun einfach nur wechseln in viele angenehme scheine. danach steht dem konsum nichts mehr im wege.

am freitag war ich mit meiner königin bei ikea frühstücken. haben viele tolle dinge gesehen, mit denen ich gerne mein kellerverließ aufhübschen würde. ein schönes schlafsofa, ein neuer schreibtisch und ein schreibtischstuhl mit cheffunktion. das sind meine momentanen träume. der rest fliegt raus. auch das tolle ledersofa, auf dem noch immer der urin der katze meiner ehemaligen mitbewohnerin wohnt. außerdem schlief sie immer auf diesem sofa stundenlang und ich kann noch immer ihren speichel riechen. ich bin verrückt.
dann frühstückten wir noch bei ikea. es war lecker und günstig. alles, was lecker und günstig ist, wird in der heutigen zeit gerne gesehen.

heute bin ich unkreativ und schließe deshalb schon ab. ich werde später noch etwas schreiben, denn dann habe ich sicher auch eine menge erlebt.






irgendwie ohne...

kreisch. ich bin aufgeschmissen. was soll ich nur tun? ein buch lesen? abwaschen? die wohnung mit chinesischen papierblumen schmücken? nein. ich kann einfach nur rumsitzen und mich weiterhin von der technik demütigen lassen. während sie mich geißelt schaue ich gebannt auf mein modem, das bei mir nicht nur das internet regelt, sondern auch die telefonie. seit 22h am freitagabend will nichts mehr funktionieren. alice. danke. ich küsse deinen bauch, den ich dir bei der nächsten gelegenheit zerboxen werde, du kleine nutte. diese probleme hatte ich schon einmal, aber diesmal scheinen sie anderer natur zu sein. viele schimpfen auf die alice, aber ich mag sie. sie hat so gesundes haar und schöne fingernägel. außerdem mag ich ihren kleidungsstil - sie weiß immer, was angesagt ist. letzten sommer zogen wir von einer boutique zur nächsten und probierten die lustigsten hüte an. das ist gelogen. alice ist eine marke und die frau aus der werbung kann sicher nichts anderes, als mit ihrem roten band durch fremde wohnzimmer zu tanzen. dabei wirft sie teure vasen um und schläft mit dem hausherren. frauen, die rote kleider tragen, sind eh immer seltsam! man sollte ihnen nicht trauen. jedenfalls lief ich gegen 5:30h zur telefonzelle, um die alte kostenlose hotline anzurufen. sie funktionierte nicht mehr. also ging ich nach hause, um ein wenig zu weinen. das wollte mir nicht gelingen, waren die rezeptoren in meinem hirn noch zu sehr vom neuen glück verschmiert. ich schickte meinem klirrfaktor eine sms mit der bitte, mir doch die nummer der hotline zu schicken. er arbeitet dort. er schickte mir die teure nummer und die kostenlose. fein. schnell wieder zur telefonzelle und die kostenlose nummer gewählt. ein freundlicher mann flüsterte mir erotisch die frage ins ohr, wie er mir weiterhelfen könnte. mir fielen in diesem moment tausend unerfüllte wünsche ein: aus haus auf einem hügel über der stadt, eine massage mit gorgonzola... - ich klagte ihm mein leid. er gab mir anweisungen, was ich am besten unternehmen sollte. funktionierte nicht, da ich in der verdammten telefonzelle stand. also musste ich wieder nach hause laufen und vom handy die kostenlose nummer anrufen. das funktionierte nicht. alice sagte mir erotisierend, dass ich die 01805-nummer anrufen möchte, damit sie sich von dem ertelefonierten geld die brüste machen lassen kann. 14cent die minute. abweichende preise beim anruf per handy.
was kostet die welt? der rubel muss rollen! dann ist polen offen! - habe also mit dem handy diese nummer angerufen und in der aufregung vergaß ich mein geheimes managerpasswort. es ist nicht wirklich ein managerpasswort, aber diese bezeichnung klingt so wichtig. es verifiziert meine identität. ich nannte es. es war falsch. ich hing eine nummer mit dran. ebenfalls falsch. ich musste verwirrende fragen beantworten, die mich total aus dem konzept brachten. ich schwitzte blut. irgendwann merkte der herr am anderen ende der leitung, dass ich nicht zu scherzen aufgelegt war und begann mit der befragung. ich steckte tausend kabel um, las millionen von seriennummern vor und legte ihm noch die karten. es wurden zwei messungen vorgenommen und ich bekomme einen anruf, sobald es neuigkeiten gibt. neuigkeiten. yeah. alice ruft mich an. bei jeder mir unbekannten nummer werde ich jetzt mit erotischer stimme ans telefon hechten.

noch immer sitze ich hier und schaue auf dieses blinklicht. es ist mittlerweile 7:10h. in 50 minuten kann ich endlich meine tablette nehmen. dann tut sich wieder etwas. gegen 10h gehe ich zum friseur, falls ich dann noch nicht vor langeweile gestorben bin. um ca. 14h treffe ich mich mit 'izzy aus der bibi' und um 19h besuche ich den rotfuchs, um dann gegen 19:30h bei der königin zu sein. was für ein geregelter tag. ich muss mich entleiben. ich halte das nicht aus. am besten sage ich meiner sekretärin, dass sie all meine termine absagt. sowas wäre toll. eine frau in einem roten kleid, die lüsternd all meine termine absagt und neue aufnimmt, um sie dann eine stunde später abzusagen. sowas werde ich mir irgendwann einmal leisten, wenn ich ein noch größerer rockstar bin. dann gibt es sicher ein bildtelefon in jedem haushalt. dann sieht jeder angerufene, dass sie ein rotes kleid trägt. ohne unterwäsche. glastische sind eine tolle erfindung. man muss sie nur sauberhalten können. aber dafür gibt es dann polinnen putzfrauen.

'ich bin gerade am flughafen. ich möchte die sonne über den wolken aufgehen sehen.' - schrieb mir der klirrfaktor gerade in einer sms. so eine sau. ich will auch fliegen. bin ich noch nie. komme aus einer armen familie. wir machten immer nur urlaub in irgendwelchen orten, die in der nähe von zuhause waren. oh, nach berlin fliegt er. das ist in ordnung. ich fachte, er verschwindet schon wieder für ein paar monate ins ausland. berlin ist genehm. das erlaube ich ihm.

am besten rauche ich noch eine zigarette. habe seit zehn minuten keine mehr geraucht. ich rauche viel seit ich keine nägel mehr kaufe. seit ich diese dinger schlucke. ich nasche seitdem auch sehr viel. habe kaum ein sättigungsgefühl. schrecklich. am stuhlgang ist nichts auszusetzen. der hat eine gesunde farbe, form und konsistenz.
habe bock auf kaffee. schöner deutscher kaffee. hole ich mir am besten vom bäcker, nachdem ich bei der post war. sicher schmeckt der hier im ghetto nach eingeschlafenen füßen und eine eingefallene kurdin liest mir aus dem kaffeesatz meine zukunft gegen einen kleinen aufpreis. medien sollte man unterstützen. sie sind am aussterben. müssen in aberwitzigen telefonfernsehsendungen tarot für irre legen. erzählen scheiße zu einem astronomischen minutenpreis.

7:25h. noch ist nichts geschehen. das lämpchen blinkt noch immer falsch. habe vorhin versucht zu schlafen. aber das will nicht klappen. habe dann irgendwelche programme installiert und geduldsspiele gespielt, für die ich keine geduld aufbringen konnte. außerdem kann ich mich momentan nicht konzentrieren. ich komme mir in letzter zeit so vor wie eine marionette, die von einem untalentierten puppenspieler gelenkt wird. die beine knicken beim laufen leicht nach innen oder gehorchen erst beim zweiten befehl. nun gönne ich mir eine schreibpause und schreibe später weiter.

8:17h. es ist so erniedrigend. alle anderen menschen sitzen nun mit cornflakes vor ihren computern und schauen sich ruckelfreie pornos auf xtube.com an. aber ich sitze hier und lausche 'we have all the time in the world' von louis armstrong. wie passend. ich habe auch alle zeit der welt und weiß nicht, was ich damit anfangen soll. habe schon den müll getrennt. könnte noch eine rauchen. eine wahrhaft brilliante idee.
schaue außerdem alle fünf minuten auf das handy und zeitgleich auf das verschissene blinklicht. ich möchte so gerne online sein. mich an dem treiben laben. das web 2.0 mit meinen geistigen ausflüssen bereichern. meine rache planen.
aus meinem rucksack zauberte ich just eine frische flasche zero. das trinke ich gerne und muss keine angst haben, karies zu bekommen oder fettleibig zu werden, denn es ist kein zucker drin. die lebensmittelindustrie sollte einen preis bekommen. oder einen korb mit früchten.
schnell die jalousien öffnen und das licht des morgens hineinlassen. das ist noch erniedrigender. die sonne scheint kalt auf die wiesen hinter meinem anwesen. es riecht nach kälte. mein aschenbecher qualmt. lagerfeuerästhetik. loungemusik aus 'james bond' wabert aus den plastiklautsprechern, die vor tausend jahren in einer kleinen fabrik im osten verklebt wurden. noch eine stunde, dann verlasse ich das haus und gehe zur post. trinke danach irgendwo einen hangebrühten kaffee. frage dann lieb, ob sie 'milchmädchen' haben. ich liebe da. das ist diese dickflüssige dosenmilch, die viel süßer ist als alle meine verflossenen zusammen. wenn man dann kaffee aus einem glas trinkt, ist das milchmädchen immer ganz unten und bewegt sich kaum. das ist aufregend. aber wahrscheinlich trinke ich eh aus einem schnöden papp- oder plastikbecher mit deckel und einem holzstück als löffelersatz. das ist deutsches kaffeevergnügen im zeitalter der eile.

8:54h. es klingelte wohl an der tür. habe musik gehört. ganz laut. denke ich. eine orange karte liegt im briefkasten. ein päckchen wollte man mir zustellen. von wem? kommt es von trashy aus australien? oder ist es gar der sampler, auf dem wir demnächst vertreten sind? ich werde es erst montag erfahren. könnte ja all meine freunde anrufen und fragen, ob sie mir etwas geschickt haben. nur dazu benötige ich eine funktionierende telefonverbindung.
war gerade in jogginghose am briefkasten. sah aus wie einer von denen. denen.

8:58h. noch immer tut sich nichts. wie aufregend. ich schreibe ein richtiges tagebuch. oder eher einen tabellarischen tagesablauf. den kann ich dann ausdrucken und meinem therapeuten schicken. der schneidet sich dann lesezeichen für sein freud-buch daraus.

14:45h. ich treffe mich mit izzy an der post. habe sie erst beim dritten mal erkannt, als ich es wagte, in der öffentlichkeit meine brille aufzusetzen. erst gehen wir zu starbucks, aber dort ist es mir zu voll. die menschen sind zwar teilweise schön im gesicht, aber es ist teuer, stressig und zu amerikanisch. wir entschließen uns zu worldcoffee zu gehen. da klang deutscher. dort trinken wir weihnachtskaffee mit zimt drin. izzy bricht ihren diätplan skandalös und frisst ein stück schokoladentorte, das fast nur aus einem nutella-ersatzstoff besteht. ich esse einen schokoladenchipmuffin.

15:17h. ich halte izzy die haare, während sie ihr tortenstück auf offener straße erbricht. ihre kotze spritzt an meine schöne hose aus amerikanischem moleskin. ich ohrfeige sie. dann gehen wir weiter. und das war gelogen.

15:17h. wir entdecken hinter worldofcoffee, das sicher anders geschrieben wird, eine baustelle. ein haus wird abgerissen. direkt hinter der baustelle befindet sich ein parkhaus. wir betreten es und schauen fast zwei stunden den polnischen bauarbeitern beim abreißen des gebäudes zu. izzy macht fotos mit ihrem handy. wir sind glücklich und beschließen, uns nächste woche direkt auf dem parkdeck zu treffen, um den abriss romantisch zu beobachten. zwischendurch ruft die hotline an. ich soll wieder etwas umstecken, aber ich bin nicht daheim.

18:27h. ich setze izzy in den bus und laufe zum rotfuchs. zwischendurch rufe ich mich immer wieder an, um zu testen, ob meine leitung funktioniert. sie ist noch immer tot. ich spucke auf den gehweg und trete obdachlosen die prallgefüllten bettelhüte weg.

18:44h. der rotfuchs öffnet mir die tür. ich schreie 'überraschung!'. er sagt, ich sei zu früh. ich sage, dass das die überraschung ist. er sucht mir arbeitsspeicher für den pc heraus, dann fahren wir aufs dorf.

20:01h. der rotfuchs gewinnt zum dritten mal das spiel und die königin erfindet ohne böse absicht den beachosaurus, einen dinosaurier, der im wasser lebt.

1:43h. ich sitze daheim und weine fast. es tut sich nichts. ich lege mich ins bett und will nur noch schlafen.

4:53h. meine nacht ist vorüber. ich kann nicht mehr schlafen. genervt greife ich zum handy und rufe die hotline an. nach drei minuten wird die verbindung getrennt. mein guthaben ist aufgebraucht. bis jetzt kostete mich diese kostenpflichtige hotline 13 euro. ich bestürzt und laufe zum handyautomaten und ziehe mir guthaben.

5:30h. ich telefoniere mit einem jungen mann, ich rede schneller als sonst und erfinde die sprache neu. ich stecke wieder kabel um wie ein irrer.

12:00h. das handy klingelt. ein mann gibt mir instruktionen. ich muss das modem neustarten durch einen trick. ein billiger trick, der mich 20 euro kostete. aber diesen trick darf man nicht alleine durchführen, da sonst die garantie erlischt. gegen nacht soll meine internetverbindung und das telefon wieder funktionieren.

16:12h. kiki aus berlin ruft auf dem handy an. er dachte, ich habe mir das leben genommen und vorher mein telefon abbestellt. ich erzähle ihm ein paar dinge der letzten nacht. er legt gelangweilt auf.

18:32h. ein dicker junge führt mich durch eine große halle. dort sammeln wir bunte steine. ich wache auf und bin froh, dass es nur ein traum war. ich mag keine dicken jungen. dann schaue ich auf mein modem - es blinkt nicht mehr. das telefon setze ich mit einem pin wieder in bewegung. es dauert knapp zehn minuten, dann bin ich wieder mit der welt verkabelt.

jetzt. probiere ich meine verbindung aus. meine finger sind schwitzig und zittern, als würde ich auf eine ersatzdroge warten. ich klicke das internet-icon.

18:47h. ich bin online und kotze vor glück.






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