irgendwie von schneidern und deren schuhwerk...

man sitzt daheim bei grandioser musik, trinkt ein paar bier, um den rest des alltags zu töten. denkt, dass der tag doch recht positiv war und freut sich auf den nächsten tag, an dem man den frischgekauften bartschneider ausprobieren kann. ja, ich habe kleinelektronik gekauft. einen bartschneider, damit ich meinen bart stutzen kann. es war schon immer eine qual, mit schere und kamm, den eigenen bart auf eine bestimmte länge zu trimmen. doch nun ist die rettung da. es soll sogar ein kamm und eine schere mit im paket vorhanden sein. dann kann ich den alten kamm und die alte schere in den spendencontainer werfen. da freuen sich sicher ein paar obdachlose drüber. so können sie sich jeden tag stutzen und sehen grandios beim betteln aus. hach, ist es nicht schön, wenn man beim aussortieren orgasmische gefühle bekommt? ich tue gerne gutes, gebe zwar nie geld, wenn ich angeschnorrt werde, aber gerade diese kleinen dinge, wie schere und kamm, sind doch der liebe gleich, oder?

heute möchte ich nicht über das wetter schreiben, obwohl es schön war. jedenfalls das, was ich auf der arbeit davon erhaschen konnte. sonne. nur sonne und eine ekelhafte schwüle luft. konnte diese sogar an meinem hermetisch abgesicherten arbeitsplatz wahrnehmen. hatte bis zur mitte des arbeitstages noch meine strickjacke an. wunderte mich, warum meine achseln so nässten. die lösung lag auf der hand, die weisheit erst später.

bei schönem wetter sind nur ekelhafte leute unterwegs, aber diese habe ich heute für meinen blick zensiert. so wirkte die innenstadt wie nach einer säuberung der modepolizei.
ja, meine königin und ich, wir spielen oft mit dem gedanken, dass es nützlich wäre, eine mode-ss mode-polizei im staat zu haben.
die mode-polizisten tragen maßgeschneiderte anzüge, haben digitale fotoapparate, sprühdosen mit roter farbe und knüppel im gepäck. sie sondern schlecht gekleidete und unmöglich frisierte menschen aus. nein, diese werden nicht getöte oder in richtungs wellness-farm deportiert - sie bekommen eine zweite chance, werden besprüht und zur typberatung geschickt. aber wahrscheinlich wären das zu hohe kosten für den staat, wenn man sich einmal umschaut, wieviele potentielle mode-rebellen es in diesem land gibt. da kommt doch keine einheit hinterher. vielleicht sollte man dann doch lieber zur sofortigen exekution greifen, da einige mitbürger anscheinend schon bei der benutzung eines deos überfordert scheinen. nützlich wäre sowas auf jeden fall. aber lassen wir doch. sonst hagelt es wieder bitterböse mails aus berlin.

lee hazlewood, der mann mit dem großen pool, ist am 4. august im zarten alter von 78 jahren verstorben. er wurde vor allem durch seine zusammenarbeit mit nancy sinatra bekannt.
'ich habe hazlewood nicht sehr gut gekannt', sagt herr twiggs in einem interview der new york times, 'aber wir verstanden uns auf einer besonderen ebene!'.
ganz ohne quatsch, ich mochte die musik von ihm nicht wirklich. blues ist nicht mein ding. aber ein lied, gerade vielleicht der ekeligkeit halber, blieb mir im sinn: 'these boots are made for walking', das er als duett mit meiner liebsten nancy einst sang. zu seinen ehren soll nun an dieser stelle 'summer wine' erklingen.

das ist für dich, lee. mögest du dort, wo du nun bist, ruhen und deine umgebung weiterhin mit deiner musik erfreuen. ich bin mir sicher, dass es dort den ein oder anderen gibt, der gerne deiner laute lauscht.
gute nacht, lee. gute nacht, nancy. gute nacht, blogosphäre.






irgendwie von sommerlichen gewaltattacken...

vorhin bekam ich dann doch noch die lust, das tolle abrisshaus zu fotografieren. es war so poetisch und die hinterseite fehlte komplett. man konnte direkt durch die vorderfenster in den himmel schauen - doch nun ist es ganz weg. keine fenster mehr da zum gucken. nur noch schutt. wie damals, bevor es dort hingesetzt wurde, das haus. schade. nun wird dort bald das neue gröpelinger einkaufszentrum stehen. oder der einkaufswinkel. oder die einkaufsecke. keine ahnung, was das wird. vier oder sechs alte geschäfte und häuser mussten weichen. bin ja nun doch ein wenig gespannt, was man dort hinsetzen wird. vielleicht eine reinigung, die sich auf burkas spezialisiert oder so.
meine finger kleben und schmecken nach schweiß. ich fühle mich müde und schlapp. wahrscheinlich wieder das wetter, das sich nicht ganz sicher ist, wie es sein soll. morgen wird man sicher in knappen kleidungsstücken das haus verlassen und sich dann zu tode frieren - oder wieder andersrum. dann sitze ich verschwitzt in der straßenbahn und kuschel mich in meinen nerz, um der welt zu zeigen, dass ich auf den klimawandel scheiße und das anziehe, wonach mir ist! ja, lassen wir uns vom klimawandel nicht unterkriegen! kämpfen wir dagegen an! kämpft!

endlich bin ich den genuss gekommen, ein anderes gewaltspiel antesten zu dürfen, was lange ein wunsch von mir war. dead rising. angelehnt an 'dawn of the dead' bzw. 'zombies im kaufhaus'. einfach nur sinnlos auf zombies einschlagen und dann fotos davon schießen. grandios. ich liebte es sofort. würde es gerne besitzen, aber dafür verdiene ich zu wenig (wink!).
man schlüpft in diesem spiel in die rolle des reporters frank west, der in eine stadt geschickt wird, um die story seines lebens zu schreiben. oder so. die stadt ist von zombies blockiert. und schon zu anfang fliegt man mit dem helikopter über die straßen der stadt und muss menschenfressende untote bei ihrem treiben fotografieren. je brutaler die szenerie auf den bildern ist, desto mehr punkte erhält man. das ist eine grandiose idee, auch wenn sie an das weniger blutige spiel 'pokémon fotosafari' erinnern mag.

irgendwann wird man auf dem dach eines einkaufszentrums abgesetzt. sehr unsanft und beginnt, es zu durchforsten. man hat 72 fiktive spielstunden zeit, bis man auf dem dach wieder abgeholt wird. ansonsten hat man verkackt. irgendwann brechen die zombies durch und belagern das gesamte zentrum. nun darf man mit verschiedenen waffen seine gegner ins reich der toten zurück schicken. mit gitarren, steinen, bänken und anderen sehr unüblichen gebrauchsgegenständen. und ich muss sagen, dass es einen riesigen spaß macht - dachte die fsk oder die usk damals wohl auch, aber nun wollen sie demnächst diesen titel doch indizieren. aber es gibt ja immer mittel und wege, dennoch an sein liebstes spiel zu kommen, oder?
mein mund ist ganz trocken, wenn ich diese bewegten bilder sehe. gerne würde ich mit meinem e-piano durch den lidl laufen und mir dann teile meiner gegner aus den haaren wischen.

fein. nun will ich noch der sonne beim untergehen zuschauen und noch mein buch zuende lesen, bevor mir jemand erzählt, wie es endet.






sind wir jetzt wieder freunde?

diese internet-welt ist eigenartig! da hat man fast acht jahre keinen kontakt zum eigenen vater und fügt ihn dann ganz unverbindlich auf stayfriends.de seinen kontakten zu.

vielleicht schicke ich ihm mal eine elektronische postkarte.






irgendwie reich und ausgeblutet...

was gibt es zu schreiben? eigentlich nichts. ich habe nie irgendwas besonderes erlebt, von dem man schreiben könnte. sitze dann stundenlang vor dem rechner und schaue auf den blinkenden cursor. überlege dann, wie man das ding nennen könnte, wenn es einen deutschen begriff dafür gäbe. eingabezeiger. positionszeiger. nette wörter, aber versteht mich jemand, wenn ich deutsch spreche? ich meine, wir haben so viele eingedeutschte wörter, die kein mensch braucht. deshalb möchte ich sie mir wieder angewöhnen. 'herunterladen' sage ich schon länger, denn 'downloaden' ist total daneben. warum sollten wir auch auf andere sprachen zurückgreifen, wenn es in unserer sprache schon wörter dafür gibt? nun bin ich noch inspirierter durch das geschenk meiner königin und ihrem freund, 'der dativ ist dem genitiv sein tod'. wunderbares buch. habe dort schon ein paar kapitel gelesen und mich an dem geschriebenen erfreut. endlich jemand, der mich versteht und über dinge schreibt, die ich niemals zuvor zu fragen vermochte. besonders die im buch enthaltenen tabellen sind toll. diese werde ich ausdrucken und in der firma aufhängen, damit sich ein jeder an der deutschen rechtschreibung ermuntern kann. vorbei sind dann die fragen, wann man 'ss' oder 'ß' schreibt. dadurch haben wir dann wieder mehr zeit, um andere dinge zu tun. leidgucken, zum beispiel. wenn ich könnte, würde ich eine partei gegen den sprachverfall gründen. aber dafür habe ich keine zeit.

morgen wird mir blut abgenommen. morgens um halb neun. danach geht es zur arbeit. mir wurde lange kein blut mehr abgenommen und ich freue mich richtig darauf. endlich sehe ich meinen lebenssaft wieder sprudeln. denn sonst sprudelt es in meinem leben momentan gar nicht. mindestens zwei liter sollen sie mir morgen abzapfen, dann befüllen sie damit kleine schnapsgläser im gotischen stil und lassen die groupies eintreten. diese verkösten es dann und bestimmten den kreativitätsanteil. wie aufregend.

habe heute wieder bilder gemacht. aus der hüfte. das ist toll. mehr als die hälfte habe ich wieder gelöscht. lomographie ist nicht mehr das, was es mal war. vollkommen aus der mode. heute wird man für solche schnappschüsse auf offener straße erschossen. vorzugsweise in die knie. recht so! immer rauf auf das fotografenpack!

lieber würde ich reich sein, als arbeiten zu müssen. könnte dann eine stiftung stiften oder eine stiftfabrik kaufen. oder irgendwas anderes tun. katzen von bäumen retten. katzen oder bäume abschaffen. in den krieg in nahost investieren. dreizehn straßen nach mir bennen. ein medikament gegen langeweile erfinden. zigaretten mit seltenen dokumentan anstecken. keine ahnung, irgendwas.

ich muss nun kreativ sein. morgen habe ich keine zeit dazu. da brauche ich alle kraft, um das mir abgenommene blut zu regenerieren. das dauert. fünf minuten. oder sechs.






irgendwie vom herzenfressen und lomographieren...

als das leben mich langweilte, schnappte ich mir meinen digitalen fotoapparat und ging an die außenwelt. dort ging ich erst einmal zum befreundeten penny, da der lidl schon vor stunden seine pforten schloss. das arme ding. immer gebeutelt von diesen autoritären öffnungszeiten. darf sich nicht öffnen, wie er es für richtig hält. stein drauf.
habe mir bier, frikadellbällchen und cola gekauft - nur gesunde dinge für mich und herrn twiggs. danach sind wir ein kleines stück zu fuß gegangen. wir wollten bilder von gröpelinger abrisshäusern machen, fanden das thema dann doch zu ausgelutscht und sind stattdessen in eine andere richtung gegangen. wir nahmen uns vor, wilde fotos aus der hüfte zu schießen, wie man es damals tat, als lomographie noch ein schimpfwort war.

vor unsere linse sprangen straßenbahnen, gehbehinderte menschen, telefonzellen und allerhand andere dinge. es war toll, mal wieder das ghetto fotografieren zu können. zu lange haben wir pausiert. die bildern wurden dann sofort in 18 grandiose header verwandelt, die nun ebenfalls in der rotation warten. somit gibt es nun 38 bilder im header-verzeichnis.

habe gerade einen tollen konzertmitschnitt von alan silvestri (der nach danny elfman einer meiner liebsten filmmusik-komponisten ist) gefunden. dort dirigiert er ein stück aus meinem derzeit liebsten score zum film 'night at the museum'. grandios. der link ist hinter dem bild versteckt (so wie andere überraschungslinks hinter anderen bildern versteckt sind. dieses blog ist voller eastereggs).

übrigens war 'night at the museum' ein schwacher film. aber ich liebte ihn von der ersten bis zur letzten minute, auch wenn ich nur einmal lachen musste.

zuletzt lachte ich über die grandiose brutalität im ps3-spiel 'the darkness' - grandios. in deutschland leider sehr zensiert. rohe gewalt brachte schon immer mein herz zum hüpfen.






irgendwie dunkel und verquirlt...

vor einigen tagen baute ich oben in diesen blog eine art header-rotation ein. der header ist das bild, das ganz oben im weblog wohnt. jedesmal, wenn man die seite neu läd oder auf eines der untermenüs klickt, gibt es ein neues bild. das lässt diesen blog aktueller wirken und ich habe mal wieder eine aufgabe: ich kann neue header basteln! in der rotation befinden sich momentan einige der ersten header, aber auch neue. teilweise auch unlustige und gelöschte.
wer einen header basteln möchte, kann dies tun, ihn mir schicken und wenn er gefällt, wird er der rotation beigefügt. 670x150px. nicht größer. nicht kleiner. nicht bunt.
und draußen ist es gerade auch nicht bunt. der himmel verdunkelt sich, als würde die welt heute erneut ihren untergang anheben. soll sie doch. geh doch unter. du dummes ding. aber auch diesmal wird das nur eine langweilige show mit viel sturm und regen sein. mehr nicht. die welt verspricht uns immer so wahnsinnig spannende dinge - doch daraus wird nie etwas. wie aus eigenen vorhaben.

mir ist kalt. die heizung schalte ich nicht ein. immerhin haben wir hochsommer. könnte etwas anderes anziehen. nichts bauchfreies. könnte auch nachschauen, ob in der unteren schublade etwas hirn oder disziplin lagert. würde es zu den rohen eiern geben und verquirlen, weil das so ein schönes wort ist. verquirlen. verqurilt. du hast verquirlt. verquirle dich endlich. wie schön. verquirlte scheiße. geißel der worte.

bis nachmittags habe ich heute den lidl gemieden. es war der große 'non-food sonderverkauf'. non-food. auch so ein eingedeutschtes wort, das niemand wirklich braucht. und kaum einer aus diesem ________ stadtteil weiß, was das bedeutet. habe das am mittwoch selbst an der kasse mitbekommen. da legte eine frau eine tüte milch auf das band und fragte in jungfräulichem eifer, ob milch auch non-food wäre. der kassierer warf eine tüte konfetti in die luft, alle legten ihre arbeit nieder und sagen lobeslieder, dabei inhalierten sie haarspray und kochten sich einen sud aus alten socken.
natürlich ist milch kein non-food. aber würde man milch als food bezeichnen? nicht eher als drink? egal. vollkommen egal. verquirltes deutsch. würden sie sagen: 'ich habe für renate einen locher aus der non-food-abteilung mitgebracht!' oder 'in der non-food-abteilung lagen auch food-artikel. das verwirrte mich zutiefst!'?

habe gerade nebenbei befreundete blogs besucht. ich bin ja wirklich sehr angetan von el mundo de canela. sollte sie wirklich irgendwann ein buch herausbringen, möchte ich eine signatur auf dem linken innenschenkel, denn niemand schreibt momentan so aufregend wie sie über das ficken oder andere angeborene aktivitäten der menschheit.
und niemand schreibt so langweiliges zeug wie ich. vielleicht sollte ich mich zur ruhe setzen, meine alte schreibmaschine unter den arm klemmen und mein altes haus auf dem hügel in andorra wieder bewohnen. dort könnte ich an meinem epos weiter schreiben, dabei das leben in der stadt beobachten, ohne selbst ein teil davon zu sein. leutegucken. tieregucken. wettergucken. immer vom erker aus mit teuren zigaretten zwischen dem gelbgerauchten zeige- und mittelfinger, wild hustend. danach geht es zurück auf den dachboden, wo die alte schreibmaschine lauert. schnell den schlauch, der eitrig aus dem kopfe ragt, mit dem farbband der schreibmaschine verbunden, haltung eingenommen und schreiben. den kopf schön senkrecht halten, damit die worte nur so fließen. innerhalb einiger jahre wäre der epos dann vollendet und ich hätte endlich zeit, mich einweisen zu lassen. noch immer einer meiner größten träume: urlaub vom dasein. mindestens zwei wochen. bunte pillen fressen und bilder zu den themen kindheit und anderen 'heits' malen. dann ausgang mit den anderen. sich nicht über kunst und politik unterhalten müssen. einfach nur kurieren.
unbemerkt würden jahre vergehen. aus zwei wochen würde ein halbes leben werden. abgelenkt vom kurieren. auf die gesundheit bedacht. das leben vergessen. der schlauch ist verschwunden. zurück bleibt eine kreativitäts-borke. sie wartet seit ewigkeiten darauf, aufgepult und gemolken zu werden. aus ihr wollen worte fließen, die sich seit anbeginn des kurierens aufstauten.

ich schweife ab. im kellerflur unterhält man sich unter lautem getöse der waschmaschinen über reinigungsmittel. manchmal krieche ich zur tür und lausche. wünschte, ich könnte mich auch einmal, wenigstens einmal, in meinem leben über so belanglose dinge unterhalten und dabei freude empfinden. würde darüber philosophieren, welcher weichspüler wirklich nach frühling duftet. würde eine doktorarbeit über die düfte dieser welt schreiben und mich dann einweisen lassen.

ich friere zunehmend. antarktische ausmaße nimmt das gerade an. schnee wäre toll. habe mir vorhin bilder vom schneegestöber angesehen und hätte dazu gerne zimtsterne gegessen, meine wohnung weihnachtlich dekoriert.
fremde wohnungen sind immer schöner als die eigene. alle wohnungen sind schöner als die eigene. die eigene wohnung ist zwar heimatlich und wie in einigen videospielen auch aufbauend wie ein medi-kit, aber woanders ist es immer gemütlicher.

draußen scheint die sonne. ich ziehe mir gleich kleidung an und werde meine jalousie öffnen, dann sieht alles gleich viel farbenfroher aus.






irgendwie verzaubert und gelb...

wir sitzen auf dem bett und lassen uns den schorfigen rücken von der nacht massieren. dabei lesen wir bücher, die vor jahren für kinder erdacht wurden, es heute aber nicht mehr sind. weit entfernt. ebenfalls entfernt von toll. purer mainstream, dem man sich nur hingibt, weil man wissen will, wie es weiter geht. wie bei fernsehserien, über die man am lautesten lästert, damit niemand bemerkt, dass man sie seit knapp 25 jahren täglich schaut und bei fast jeder folge weint. man muss auch nicht alles preisgeben, was im stillen kämmerlein passiert. nicht wirklich. das wollen vielleicht viele wissen, aber dann doch lieber nicht.
gestern war es so weit. 'harry potter and the deathly hallows' hing in einer tüte an meiner tür. wahrscheinlich schon seit morgens. es hieß, dass er am veröffentlichungstag bis 18h geliefert wird. und ich wartete bis halb achtzehnuhr in meiner wohnung, teilte meine zigaretten so ein, dass ich das haus nicht verlassen musste. fürn arsch. hätte ich gewusst, dass der band seit stunden an meiner tür hing...

habe letzte nacht bis 4h morgens gelesen. düster geht es zur sache. hatte mir vorgenommen, das buch an diesem wochenende zu schaffen. schwieriges unterfangen, wenn man nach stunden des lesens bis seite 66 kommt - von immerhin über 700 seiten. wir sind halt langsame leser, weil wir uns beim lesen die finger gelb rauchen, teure pralinen von hussel in uns stopfen und unser skrotum massieren.
pralinen. ein tolles thema. handgemachte pralinen. steht auf der packung. sicher gelogen. wer in deutschland hat heute noch saubere finger, um pralinen mit der hand zu fertigen? gerade bei der ubermäßigen zahl der gastarbeiter in den führenden pralinen-fabriken. die sitzen dort an speckigen maschinen und schauen zu, wie eine rostige vulvaähnliche armatur die nüsse auf das kleine stück schokolade drückt. der arbeiter schaut zu, wie die frischen pralinen auf einem band landen und hinter ihm verschwinden. mit einem alten stock schiebt er die pralinen auf die markierung, damit sie in der richtigen schachtel landen. er macht dies mit einer ungeheuren motivation und einer eleganz, als wäre er seit anbeginn der pralinenherstellung dabei. ist er auch. er wird dort sterben in diesem werk. seine familie bekommt das erbe in pralinen ausbezahlt. haben alle kaputte zähne, dicke bäuche und diabetes. wollen keine pralinen mehr sehen, da der ehemann und vater immer nach zucker riecht und schmeckt. hat immer lebensmittelfarbe im urin und in seinen haaren findet man exotische früchte. ein leben für die confisserie. heil, der confisserie! schreit man dann zu arbeitsbeginn. dummes amerikanisches motivationstraining. dann die haube auf und ab in die maschinen.
es gibt sicher auch eine fingerbadruckmaschine, die künstliche fingerabdrücke auf die confisserie-artikel zaubert und gelegentlich kleine fußnagelsplitter in das naschwerk arbeitet, damit man das gefühl einer echten handgefertigten praline erlangt.
gut, in einer reportage haben wir mal gesehen, dass bei lindt die goldenen osterhasen wirklich noch per hand bearbeitet werden - und ich rede hier nicht von sodomistischen masturbationsphantasien kleinwüchsiger confisserie-perversen! mit einem tuch reiben unverheiratete frauen die goldene folie platt. irgendeine magdalena hängt ihnen das glöckchen um. leise weint sie in der pause in ihre rosa schürze, weil sie keiner liebt. wie denn auch? sobald sie von ihrer saisonarbeit erzählt, finden die männer sie nicht mehr erotisch anziehend und laufen davon. arme magdalena, dabei hat sie ein so zartes wesen und ritzt sich seit jahren die arme mit staniolpapier.

wir schweifen ab. aber die pralinen sind wirklich lecker. sehr wenige sind in der schachtel, die ich zu meinem ehrentage geschenkt bekam. dazu teuren sekt, der sicher per hand abgefüllt wurde. könnte ich mir das leisten, würde ich nur noch dinge kaufen, die per hand gemacht wurden. lasse es mir selbst auch gerne mal per hand machen.
ist sicher auch so eine abstruse geschichte wie mit den bio-produkten. aber darüber will ich mich jetzt nicht auslassen. habe zu wenig ahnung, mit welchem kot man seine güter bearbeiten muss, damit sie das begehrte siegel bekommen. zuviel nachdenken ist nicht gut, das wusste auch schon john f. nash, jr.!

nash traf ich leider nicht, sondern rabix, der sicher neben der 'fidschi meerjungfrau' von p.t. barnum gut aufgehoben wäre. rabix ist einer der figuren des 'heidepark soltau', die einem vermitteln, dass man kraft durch freude schöpft (darf man sowas schreiben oder ist das nicht mehr politisch korrekt? traue mich schon gar nicht mehr, irgendwelche einträge zu schreiben. wahrscheinlich werde ich morgen vom confisserie-verband gedisst).
meine königin und ich, wir waren letztes wochenende im park. haben uns spaß gegeben zu einem eintrittspreis, den wir damals lieber im stillen kämmerlein versoffen hätten. achterbahn - hoch und runter. in langen warteschlangen stehen, in der mittagssonne, hautkrebs sähen. haut pulen. lange streifen. wie bacon. delikatess bacon. hauchdünn, wie carpaccio.
der weg zum park. eine tortur. ausgeschildert. fürn arsch! stundenlang durch die pampa düsen, schwitzen. sicher der heißeste tag des lebens. wie im ofen (und ich meine den politisch-korrekten...).

werde nun auch freude schöpfen. leckereien in der tanke kaufen, mich in irgendwelches grün setzen und lesen. vielleicht auch erst später und morgen in der straßenbahn. intellektuell sich von der klebrigen masse abheben und ein buch in englischer sprache lesen. dann schauen die dummen und wundern sich, warum die buchstaben nicht so sortiert sind wie in ihrem behindertenausweis.

egal nun. ich brauche wasser.






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