irgendwie von rudolf heß und anderen schönheiten...

ich habe es getan. nach all diesen jahren. nach all diesen unzähligen gedanken darüber. immer wieder habe ich mir vorgenommen, es zu tun, es in die tat umzusetzen - aber irgendetwas hielt mich davon ab. doch heute verspürte ich diesen drang noch etwas stärker. er pulsierte in meiner stirn, in meinem verlangen. er machte mich schwitzend. der drang. und dann... lassen wir das. jetzt denkt die holde leserschaft, ich habe endlich jemanden umgebracht und seine leiche zu mutter in den bettkasten gelegt. nein, dem ist nicht so. ich habe mir lediglich einen neuen kopfhörer gekauft. einen guten. von sennheiser. und seit stunden lausche ich der täglichen musikdosis mit anderen augen ohren. es ist einfach ein famoser unterschied. es sind kopfhörer, die meine zauberhaften ohren umschließen, wie die gebärmutter einer fanatischen christin ihr kind umschließt. oder so. in anatomie, besonders in christlicher, war ich schon immer sehr schlecht. und nichts gegen christen. oder muslime. alle haben sie ein recht auf guten klang. so wie ich. es ist so sonderbar, wie schön auf einmal die musik klingt, die ich sonst auch hörte. diese tiefen und höhen, ein verkanntes vergnügen tut sich dort meinem ohr auf. es ist, als ob ich in der westminster abbey säße und die neuen kopfhörer an einen walkman angeschlossen hätte. meine alten kopfhörer waren schon vom ohrenschmalz besserer tage verklebt. kaum ein ton kam mehr heraus. der klang hatte den charme eines dosentelefons. obwohl das auch nicht zu verachten ist. ein dosentelefon. irgendwann muss ich meinen dialog als theaterstück umschreiben, es wird fantastisch. ein pärchen beendet ihre beziehung tragisch über das dosentelefon. grandios. habe diesen dialog schon am telefon mit 'kiki aus berlin' erprobt. wahrlich ein bild für die götter.

vor einigen tagen hatte ich einen unfall. nichts schlimmes oder frontales. ich wollte mit dem legendären bartschneider meinen bart stutzen, hatte aber vergessen, den aufsatz auf den herrn schneider zu setzen - der bart war fort, nur einige wenige millimeter blieben zurück. egal, das macht jünger. endlich würde mich ahmet vom zigarettenladen wieder nach meinem ausweis fragen, ohne dass ich ihn dafür bezahlen muss. dann klickte ich den aufsatz drauf und wollte die koteletten, oder wie man das in der neumodischen zeit schreibt, korrigieren. das klappte gut, bis ich mir gelangweilt in die kopfseitenflächen rasierte. keine ahnung, wie man die partie des kopfes nennt, aus dem die ohren ragen. jedenfalls musste ich das alles angleichen. dann auf der anderen seite auch. oh, tina, hier kann noch ein stück weg. ohja, und dort auch - plötzlich sah ich aus wie ein zweitklassiger hooligan oder als wäre ich auf dem weg zum rudolf-heß-gedenkmarsch. ich trug haare so kurz wie mein bart. oder andersrum. ich war entsetzt. aber mittlerweile liebe ich meinen neuen look. schaue noch öfter in die schaufenster, in denen ich mich am liebsten spiegel (am liebsten wähle ich die läden, vor denen die meisten obdachlosen sitzen).

außerdem wächst das eh alles nach. und meine arabisch-polnische friseurin meinte eh: "im sommer, alles ab. alles haar ab. ist guuut. alles haar ab. alles bart ab. wächst nach. besser. hart wie mann." - und sie hat recht. die weiblichen züge meiner haarpracht sind geschichte! ich erstehe auf aus den aschen meiner bisherigen frisuren! heil, antep sofrasi!

so. das war der werbeblock. weiter geht es nun mit dem eigentlichen programm. habe ich heute eigentlich schon von diesem live-konzert-gleichen kopfhörer-klang berichtet? gut, ein kopfhörer, der fast so viel kostet wie meine monatliche miete, muss auch schon etwas können. ich habe das gefühl, dass die streicher und bläser direkt hinter mir sitzen. ohja, ein bläser wäre jetzt genau das richtige.

noch knapp 1,5 stunden, dann darf man nicht mehr im sozialamt rauchen, liebe gröpelinger. denn am ersten september, der ja schon gleich ist, tritt das "gesetz zum schutz vor den gefahren des passivrauchens" in kraft, das uns rauchern zeigt, wo wir nicht mehr rauchen dürfen. außerdem wird die tabakabgabe von 16 jahren auf 18 jahre angehoben. tja, uschi, nichts mehr mit anschaffen und dann davon kippen kaufen. vorbei ist die gute alte zeit. stein drauf.

gut. ich muss nun aufs klo und mein bier wegbringen. dann gehe ich gleich noch schnell eine ganze packung blaue gauloises in einem öffentlichen gebäude rauchen. dabei lese ich dann die schönsten gedichte von rudolf heß und streiche mir durch mein imaginäres haar.






irgendwie von nächtlichen hirngespinsten...

ich freute mich so auf meinen wohlverdienten schlaf, träumte davon schon den ganzen gestrigen tag. hatte im wachzustand visionen davon, wie ich sabbernd in meinem kissen versinke und schnarche. aber daraus wurde nichts. um knapp vier uhr morgens wurde ich aus meinem schlaf gerissen. ich hörte im garten hinter meiner kellerwohnung ein lautes ratschen. oder wie auch immer man das nennen mag. ich dachte sofort an gage creed. oder an einen perversen, der mich seit tagen eingängig studierte, um die geeignete stelle zur ablage seines stumpfen messer zu finden.
und dieses geräusch wiederholte sich in einem rhythmus von fünf minuten. ich versank in meinem kissen, stülpte die halbe bettwäsche über meinen kopf und schützte mein gemächt. gruselig war das. ich fühlte mich unsicher, beobachtet und ausgeliefert, hatte ich doch mein kleines lämpchen angelassen aus angst vor dem glu. ich überlegte, was ich machen könnte. erst wollte ich mich selbst anrufen und dann so tun, als würde ich mit einem durchtrainierten mann telefonieren, dann laut rufen 'komm am besten sofort rum, damit wir die perverse sau vermöbeln können!' - aber ich war zu gelähmt durch meine angst. also harrte ich aus. das geräusch kam wieder. ich zitterte, malte mir aus, was man wohl sehen könnte, wenn man seine nase an mein fenster drücken würde. stellte mir vor, wie es wohl aussehen mag, wie ich dort zitternd in meiner sesamstraßen-bettwäsche liege und den tränen nahe bin. ratsch. machte es wieder. schnell zog ich mir unter der bettdecke mein höschen an, sprang dann wie ein irrer auf, rannte in den dunklen flur. ich bewaffnete mich mit meiner großen bastelschere von woolworth, umklammerte sie. dann riss ich die tür zum kellerflur auf - im ersten moment sah ich eine gestalt vor mir - dann wurde mir klar, dass mir meine gedanken und die kranke phantasie einen steich spielten. die gestalt verschwand flugs. und ich schloss die tür wieder. mit langsamen schritten ging ich in richtung fenster. ratsch. machte es erneut. ich sprang zum fenster, drückte es zu, wedelte dabei manisch mit der schere und verdunkelte die jalousie. dann setzte ich mich aufs bett und rauchte eine zigarette. vielleicht meinte letzte, wusste ich doch nicht, ob ich gage nun verschreckte oder er nun sicher war, dass sich doch sein opfer in der wohnung befindet.

nichts passierte. ich konnte aber nicht mehr schlafen. tolle wurst. später am grauenden morgen hörte ich das ratschen wieder. wahrscheinlich war es in meinem kopf. irgendwas muss dort locker sein und kratzte am hörnerv. kein wunder, bei der lauten musik, die man sich in zweitklassigen clubs antut. das ratschen kam wieder. wahrscheinlich war es doch nur ein tier oder eine plastiktüte von lidl. habe kurz aus dem fenster gesehen, nachdem ich mir mut antrunk. da war nichts zu sehen. gruselig ist es dennoch. sicher finde ich nachher im briefkasten eine tote ratte - oder einen weiteren briefkasten. wie surreal das wäre.

dann bin ich halt durch den morgen gelaufen, habe ein paar neue fotos für den header bzw. blogkopf gebastelt. es sind mittlerweile 68 stück. und alle sind so wundervoll.
wenn ich nächstes jahr weggezogen bin, werde ich sicher nie wieder ghetto-bilder machen können. nur noch welche von gekämmten parkanlagen, güldenen menschen mit schneeweißen zähnen, teurem geschirr und tieren, die lustige lieder lieder singen. eine symbiose der freundlichkeit wird mich zuckerguss-gleich einlullen. hach, was für ein traum.

und in ein paar stunden - um genau zu sein, sind es zwei - beginnt die arbeit wieder. dann sitze ich da und optimiere keywords so weit das auge reicht. wahrscheinlich war es herr seo, der da an meinem fenster kratzte. wahrscheinlich drehe ich bald durch und werde mitglied in einer sambagruppe.

fein. die dusche schreit nach mir. und ich möchte schaum in gewissen körperregionen spüren. das wird das highlight meines tages.

ratsch.






all love can be

die hymne der heutigen nacht:

james horner/charlotte church - all love can be

beflügelt in gedanken, irgendwie.
wo auch immer du gerade sein magst.
unbekannt bin ich erfüllt.
worte.






irgendwie vom schwachsinnigen frohsinn...

'schatz, keiner kann es mehr lesen, wenn du täglich davon schreibst, wie schlecht diese welt doch ist. es interessiert niemanden, da es ein jeder weiß!", flüsterte mir diese sympathische stimme im kopf ins ohr ungewisse. und sie hatte recht. habe mir auf meiner reise durch das internet andere blogs angesehen, war teilweise kurz davor, meine krone abzugeben. andere erleben so viel. sie lieben, lecken, ficken oder treffen spannende menschen, egal wo sie sich befinden. sie schreiben von farbenfrohen wiesen, über die sie singend springen. ihr leben ist so fröhlich, ausgemalt in den sattesten farben. durch irgendwelche risse drückt sich das maßlose glück, kleckert auf den boden der gewissheit - daraus entspringen lustige gebilde, wie singende blumen und dergleichen. musik überall, natürlich nur leuchtend gesunde.
deren sonne lacht, auch wenn es regnet. deren welt blüht, auch wenn es zeit für eine dürreperiode wäre. überall fliegt glitter durch die luft. in jedem partikel spiegeln sich frohe gesichter, jeder hat eine tolle geschichte zu erzählen. beiträge über das schönste eis des sommers, über die endlich gefundene lieb, über tiere, die vor frohsinn fast zerbersten -

und dann komme ich. der herr, der nur schwarze wolken am himmel sieht, dessen reich auf altem eiter erbaut wurde. es gibt bei mir keine grünen wiesen. die zeiten sind vorbei, in denen man musicals-singend über immergrüne wiesen hüpfte und sich parallel einen kranz aus blumen flechtete/flochte/flichte, den man seiner liebe ins das frohsinnige haar band.

aber wenn der frohsinn momentan nicht bei mir anklopft, dann kann ich ihn auch nicht herbei zwingen. vielleicht kommt er ja irgendwann zurück und beehrt mich mit seiner anwesenheit. dann backen wir zusammen, malen gemeinsam nach zahlen und buchen im kino diese kuschelsitze ohne zwischenlehne.

saß heute im büro und habe hart gearbeitet. dinge, die ich täglich mache. außer donnerstags, da habe ich frei. vielleicht habe ich bald freitags frei - das wäre immerhin ein kleiner schritt zum frohsinn.
in der bahn auf dem weg nach hause, saßen wieder menschen dort, deren gesichter aussahen, als hätte jemand darin mit einem eisportionierer nach gold gesucht. aufgedunsene frauen in karottenhosen, aus deren hosenbeinen kleine füßchen quillen, die in zu engem schuhwerk gefangen sind. die winzigen zehen geben bei jedem schritt ein kleines geräusch wider. ähnlich wie der gang über einen catwalk voller popcorn.

ich habe meinen entschluss gefasst: ich muss hier raus!

raus aus dem ghetto. raus aus der welt der ekelhaftigkeiten. ich muss in einen weniger ________deten ortsteil ziehen, irgendwohin, wo sogar die müllmänner vor glanz und gloria unterm lichterdom erstrahlen. ich brauche außerdem ein zimmer mehr. halte es hier in diesem kellerloch nicht mehr länger aus. bin von der waschmaschine angewidert, die täglich ab acht uhr gegen meine wand hämmert und dabei gellend lacht. ich laufe sonst bald amok, wenn sich an meinem derzeitigen zustand nichts ändert. nach jedem schuss würde ich konfetti in die luft werfen.

habe mir wohnungsangebote angesehen. dort, wo ich nicht wohnen möchte, bekommt man sogar einen einmaligen umzugsbonus, was auch immer das ist. die anderen angebote, die mich interessieren, sind zu teuer. kaltmieten zum erbrechen. eine wohngemeinschaft kommt nicht in frage. hatte da schlechte erfahrungen.

ja, das ist mein nächster schritt in richtung frohsinn. dann erlebe ich wieder lustige dinge, weil die umgebung es einfach hergibt. sehe wieder menschen mit haaren, menschen ohne tücher. verstehe wieder die sprache der nachbarn, fühle mich geborgen. muss nicht neben gammeligen wänden schlafen.

ein vorhaben. ich habe ein vorhaben vor. das erfüllt mich. und plötzlich öffnet sich die geistige tür und der frohsinn kommt mit seinen freunden vorbei. gemeinsam tanzen wir zu wildem blues, vielleicht auch jazz. reden über die alten zeiten in bangladesch, kugeln uns vor glücklichkeit auf dem boden aus laminatimitat, schwelgen in vorkindlichen erinnerungen und naschen von mutters plazenta (wow, dank des internets gibt es sogar ein plazenta-kochbuch), die hier noch gefroren im fach liegt.

ich suche auf diesem wege werdende mütter, um eine plazenta-fastfood-kette zu gründen.

ich sollte nun ins bett gehen und von frischem grün träumen.






irgendwie von der gedankenreise...

fast unsichtbar schwebt der feine rauch des räucherstäbchens durch die räume den raum und verteilt dabei seinen fernöstlichen duft. man nimmt natürlich an, dass dieser duft fernöstlicher herkunft ist, aber wahrscheinlich riecht es dort so wie hier. nach spülmittel, sex und eiter. fernöstliche düfte können auch in paris erfunden werden, oder in buextehude. da gibt es keinen wirklichen markt im fernen osten. und damit ist auch nicht die ddr gemeint. denn die gibt es ja nun auch seit kurzem nicht mehr. egal, wo das stäbchen herkommt, es erfüllt seinen job geradezu meisterhaft. es duftet.
die tage ziehen fast unbemerkt am leben vorbei. ehe man sich versieht, beantragt man seine rente und färbt sich die grauen schläfen über, mit einem rostigen bügeleisen entfernt man lästige hautfalten.

seit stunden spielt nun diese cd. sie erfüllt mich mit euphorie und bodenloser traurigkeit. sie ist wunderschön. hat so viele verschiedene stimmungen und nimmt mich mit auf eine besondere reise. ich reise gerne. in gedanken. durch welten und zeiten. öffne mit meinen gedanken verborgene türen. in meiner welt würden alle obdachlosen bunte hüte tragen und tröten besitzen. sie würden auf lohnsteuerkarte betteln. geld würde abgeschafft und in pet-flaschen ausgezahlt werden, denn es ist ein tolles gefühl, für kippen, aufschnitt und cola in flaschen zu bezahlen - das merke ich sehr oft. man legt seinen einkauf auf das band, hört dem kassierer zu, was man zu zahlen hat und legt seine flaschen bzw. den bon auf das güldene tablett und geht. wenn das immer so wäre, wie würde die welt dann aussehen? statt euro und dollar würde man nur noch in flaschen rechnen. es würde keine kriege mehr geben. wir würden sogar leere pet-flaschen nach riga verschiffen, um den hunger zu stillen und...
lassen wir das. das ist vollkommen albern. und meine welten sehen nie so aus. aber eine kopfreise wie in 'the cell' stelle ich mir dennoch aufregend - aber auch sehr bedenklich - vor.

in der letzten woche bis zum wochenende hatte ich besuch von 'kiki aus berlin'. gemeinsam fuhren wir wie in einem roadmovie durch die gegend, hielt an unserem neuen kult-platz, der drehscheibe, an. es ist wunderschön, nachts auf einer sich drehenden drehscheibe zu drehen, dabei dem wasser zu lauschen, das im see, der nur ein paar meter von der drehscheibe wohnt, rauscht. verschachtelt, wie der satz zuvor, lagen wir stundenlang auf dieser scheibe und blickten in den himmel. dabei öffneten wir tore, philosophierten über explodierende autos, die von unachtsam weggeworfenen zigaretten dazu verleitet wurden. eines abends sogar, legte ich kiki meine harry-potter-these nieder, wie der roman, an dem ich unendliche stunden schon las, wohl enden mag. schon nach band 5 hatte ich eine idee - und ich hatte recht. ich bin so gut. wenn das bei allen dingen so wäre, könnte ich glatt die welt erobern. aber da lasse ich mir eh noch etwas zeit.

nun muss ich aber ins bett. in ein paar stunden ruft die arbeit mit sanfter stimme nach mir. und nach kikis besuch muss ich mal eine nacht versuchen, vor dem morgengrauen zu schlafen. im september sehen wir uns wieder. reisen wieder durch die gedankenwelt, obwohl wir über drei stunden in einem auto sitzen, das sich nicht bewegt.

himmlisch.






erste bremer bloggerlesung

das bremer literaturkontor organisiert mit dem jungen theater zusammen eine lesung mit bremer bloggern. am 19. oktober werden dazu in der schwankhalle fünf bremer zu hören und zu sehen sein:

hella | frau mutant | der wahre dicki | monoma | herr twiggs

19. oktober, 20h, schwankhalle, bremen

text schamlos von citybeat gestohlen und leicht modifiziert.






irgendwie von der liebe und anderen märchen...

'lass uns durchbrechen. verlassen wir die stadt - du und ich! keiner wird uns aufhalten, niemand wird bemerken, dass wir nicht mehr da sind. sollte irgendetwas unsere pläne durchkreuzen, habe ich genug im arsenal. es reicht dann sogar noch für dich und mich, falls man uns kein 'happy end' zugestehen möchte!', sagte ich mit aufbrausender stimme. leider in einem kalten raum ohne gegenüber. nicht einmal ein spiegel war zugegen. wie schön es wäre, fremde haut zu fühlen. gemeinsam amok laufen. sich hinterher romantisch gemeinsam zu richten.
ok, das muss nicht unbedingt sein. aber es wäre famos, wenn es passieren würde. nur nicht heute abend. denn heute abend wird nichts mehr passieren. auch keine endlose liebe, falls es sowas gibt. leben wir für die liebe oder leben wir um zu sterben?
komme mir gerade vor wie carrie bradshaw, die auch immer so wilde titel für ihre kolumnen schrieb. aber ich bin nicht carrie bradshaw. ich trage weder teure schuhe, noch sitze ich gemütlich in meinem new yorker apartment und schreibe für eine zeitung kolumnen an einem ebenso teuren laptop. nein, ich wäre niemand von denen. ungerne, wäre ich das. aber ist unser leben nicht so ähnlich? sind wir nicht auch fast täglich auf der suche nach der liebe oder einem stich?

egal. reißen wir uns nicht runter. denken wir positiv. denken wir daran, dass wir bis ans ende unserer tage alleine bleiben werden. finden wir uns damit ab. es ist doch so auch viel einfacher. man muss keine eigenartigkeiten ablegen oder versaute fetische verheimlichen. bleiben wir halt ewig allein. langweilen uns mit selbstgesprächen vor dem spiegel und tun so, als würde es uns gefallen. vielleicht haben wir ja ein zusammentreffen mit einem konzertflügel oder einem lienienbus - dann sind die gedanken aus.

vielleicht sollte ich mal ein lied weiterstellen. bei sowas kommen nur wirre gedanken ins blog. und sowas brauchen wir heute nicht. brauchen wir nie. haben wir genug davon.
denken wir an den heutigen tag. der war schön, obwohl der himmel sich in ein böses grau färbte. das mag ich. immer, wenn schönes wetter ist, gehen die neun stunden auf der arbeit nicht rum. wenn es aber draußen nach weltuntergang aussieht, kommen einem neun stunden wie gefühlte fünf minuten vor. gut, so kurz nun auch wieder nicht. eher wie fünf stunden, obwohl es dann auch wieder egal ist. man sollte eh nicht alle fünf minuten auf die uhr schauen und hoffen, dass die zeit dadurch schneller vergeht. auch sollte man auf das rechnen verzichten. sich zu jeder stunde sagen, dass nur noch sechs, fünf oder vier stunden bleiben, bis man sich daheim wieder betrinken kann.

dafür arbeitet und lebt man nicht, als dass man sich ständig verrückt macht, wieviel zeit es noch kostet, bis man in seiner verdreckten wohnung verdreckten fetischen frönt. für abartigkeiten hat man genug zeit. nicht, dass ich welche hätte - oder? hat nicht jeder abartigkeiten? egal.

habe heute mein buch endlich weiter gelesen. die letzten tage hatte ich keine muse dazu. was soll noch großartig passieren, wenn man sich auf seite 456 von 607 in dem buch einer zweitklassigen kinder-autorin befindet? wird noch mehr blut fließen? sicher gibt es wieder ein ende, mit dem man nicht rechnen möchte. so ein paar seiten reichen nicht aus, um alle fragen zu beantworten, die man seit der ersten ausgabe anhäufte. muss man überhaupt antworten zu einem fiktiven geschehen haben? autoren, texter und andere kriminelle sitzen sicher nicht mit einer mind map vor ihrem manuskript und durchdenken ihr werk von vorn bis hinten. sie lassen die geschichte einfach zu. sie soll sich von allein entwickeln. deshalb sind spekulationen und aha-effekte fürn arsch. interpretationen sowieso. vorbei ist die zeit, in der man versuchte, einen liedtext zu entschlüsseln. oft haben sie keine sehr tiefe bedeutung. die aufeinander folgenden sätze passen einfach gut zur musik, fühlen sich mystisch an, habe keine tiefe, es hallt nicht wider, wenn man einen stein hineingleiten ließe.

'sind sie enttäuscht vom leben?', fragt herr twiggs mit sanfter stimme, wischt sich dabei eine strähne seines gülden-schwarzen haares aus der stirn. ich schaue etwas verwundert, haben wir uns doch nie über solch philosophische dinge unterhalten, später entgegne ich: 'ich würde nicht so weit gehen und es enttäuschend nennen. es ist nur nicht so mystisch und geheimnisvoll, wie man es sich kurz nach der geburt vorstellt. das leben ist eigentlich recht platt. es gibt keine mystik. es gibt keine geheimnisse. so wie es kein leben nach dem tod gibt. wir funktionieren einfach und müssen unseren eigenen weg basteln. wir entscheiden über unseren nächsten bestimmungsort selbst. wir selbst sind unser eigenes leben. wir sind fleisch, das von emotionen und anderen trieben gesteuert wird - aber ich würde niemals behaupten, dass wir von mystik oder äußeren dingen gelenkt werden. doch, um auf ihre frage zurückzukommen, enttäuscht bin ich nicht.'
'das war ja eine recht lange wörtliche rede. zum glück benutzen wir hochkommata, da können wir etwas platz sparen.', sagte herr twiggs und ging zurück in die küche. dort verschwand er und wurde nie wieder gesehen. sowas ist mystisch. jemand, der in einer 20m²-wohnung mit eingebauter küche einfach verschwindet. ich kratzte mir kurz meinen kopf, vielleicht auch mein gemächt, und füllte den trog erneut mit getränk. meine gedanken lagen offen. unmystisch. falls es sowas gibt. lauschte weiter der musik und überlegte dabei, worüber ich morgen nachdenken würde.

'lass uns durchbrechen. verlassen wir die stadt - du und ich! keiner wird uns aufhalten, niemand wird bemerken, dass wir nicht mehr da sind.', sagte ich mit aufbrausender stimme und verhallte...






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