nur noch ein paar stunden...

noch etwas mehr als vier stunden, dann sitze ich im metronom nach hamburg, danach in einem eurocity nach spandau und dann in irgendeiner provinzbahn, die mich direkt in die hauptstadt befördert - falls ich vorher nicht irgendwo einschlafe. das ist mir bisher nie passiert und das soll auch so bleiben. es wäre mir peinlich, irgendwann gegen abend in bremen aufzuwachen, um zu merken, dass ich es gerade mal an den bahnsteig schaffte. eigentlich wollte ich mich deshalb direkt nach der arbeit ein paar stunden hinlegen, damit mich der schlaf nicht im zug ereilt. doch ich wollte nicht. zu sehr war ich mit packen und tanzen beschäftigt, mit rauchen und schminken. ich will schön aussehen, wenn ich nachher durch die hauptstadt gehe. jeder soll sich nach mir umdrehen und ein autogramm einklagen. mein hirn sollte ich unbedingt einpacken.

ich habe hunger. süßigkeiten kaufte ich heute aus prinzip nicht. habe noch ein mikrowellen-reisgericht hier stehen. das werde ich mir gleich einverleiben. danach muss ich duschen und meinen intimbereich aktualisieren, mein güldenes gesicht rasieren und.






zitat des tages 538

'sie rauchen wie ein kleiner vogel!', sagte lisa bedacht, schürzte ihre lippen und verschwand mit den anderen tieren.






von lebkuchenschachteln und kleiderbügeln

es regt mich auf. es regt mich einfach nur noch auf. danach setze ich mich in mein kleines kämmerlein, rauche hektisch eine zigarette und schnaufe wie ein dicker.
es ist eigentlich kein wirkliches thema und auch kein wirkliches problem, aber es nervt mich ohne ende: da meine wohnung zu klein ist für irgendwelchen kram, den ich aber noch brauche, verteile ich ihn im kellerflur. meine lebkuchenschachtel, die mit waschpulver gefüllt ist, stelle ich auf die gemeinschafts-waschmaschine und meine kleiderbügel hänge ich an die äußerste seite der gemeinschafts-leine. es sollte niemanden stören - tut es aber. ich schaue nach meiner lebkuchenschachtel und sie steht auf meiner mülltonne, meine kleiderbügel liegen auf irgendeinem haufen mit bauschutt. das nervt und ich stelle diese dinge sofort wieder an die stellen, die ich mir dafür aussuchte. dann kommt nachts wieder so eine frau von oben in den keller, stellt alle sachen woanders hin, sitzt dann in ihrem kleinen kämmerlein, raucht hektisch eine zigarette und schnauft, weil sie dick ist.






irgendwie von der stadt aus gold...

als ich gestern aus dem güldenen berlin nach hause zurück kehrte, schauten aus meinem briefkasten die noten aus paris heraus. ich wunderte mich, dass sie das wochenende überlebten, gerade in meinem kriminellen stadtteil. schnell öffnete ich den umschlag, kuschelte mich an das französische büttenpapier und setzte mich ans klavier. wundervoll. langsam wächst das stück unter meinen fingern. schwierigkeitsstufe 8 von 9 - für einen nicht professionellen klavierspieler etwas anstrengend, aber sicher machbar. nur nicht so schnell, wie gewünscht: thème harmonisé et accompagnement mixte main droite. orchestration plus riche. - die anstrengung wird sich lohnen. ich liebe dieses lied so. ich bekomme nicht genug und benötige es aus einem bestimmten grund, der hier aber noch nicht breitgetreten wird. eigentlich sollten diese notenblätter meine freude ins unermessliche steigern und meine gute laune, die ich aus berlin mitbrachte, noch anheben, sie gülden erscheinen lassen. das funktionierte auch eine gewisse zeit - bis es plötzlich an meiner tür klopfte. ich öffnete: dort standen die beiden alten frauen des hauses, die sonst zuckersüß waren, doch gestern wirkten sie wie die haus-gestapo. es ging um meinen keller. die betonung darauf liegt auf "meinen" und bestimmt auch auf "keller", denn in blinder rage betont man gerne ein paar wörter mit. es ist eigentlich nicht mein keller. ich darf ihn mit einer frau gemeinsam nutzen, die es aber nicht tut. es stehen kartons in ihm, die mit fernsehzeitschriften von 1943 gefüllt sind. ich habe es mir erlaubt, meine säcke mit aussortiertem inhalt dort unterzustellen, bis ich die gelegenheit beim schopfe packe und sie zur mülldeponie fahre. die frauen regten sich in einem total penetranten ton auf. sie fuhren mich an, weshalb ich denn so viele säcke in meinem keller stehen hätte und ob man die nicht vor die tür stellen könnte. zu beginn deutete ich an, dass ich nicht behindert sei und dass man mit mir auch vernünftig sprechen kann - doch das sahen die sterbenden huren nicht ein. sie keiften weiter. ich blieb ruhig. sagte irgendwann, dass ich nun meine tür schließe, was ich dann auch tat. ich wollte sie tot sehen, langsam an ihrem blut erstickend, während ich ihre körper mit einem geliehenen grapefruit-löffel aushöhlte. allein bei diesem gedanken errigierte ich zutiefst.

meine laune war dahin. schnell zog ich mir meine schuhe an und verließ das haus. ich musste spazieren gehen und mir meine stadt anschauen. meine kleine stadt, die mit jedem tag ungeliebter wird. sie verzehrt mich, sie versucht es jedenfalls. sie will mich in die knie zwingen, mich zu ihrem untertan machen. sie will mich zwingen, auf ewig zu bleiben - doch das werde ich nicht. ich gehe dorthin, wo es gülden ist. die stadt aus gold, wo die luft der nacht nach freiheit schmeckt. dort wird es mich hinziehen. dort werde ich beginnen. erneut.

seit ich zurück bin, vermisse ich die stadt aus gold noch stärker. ich vergehe fast vor verlangen, die nacht in ihren armen zu spüren, ihre kalten mauern zu erwärmen. nimm mich mit, bitte. lass mich nicht hier. je veux être l'endroit où vous êtes, cité d'or...

die letzte nacht war ein nachtmahr in sechs akten. fürchterlich. seit langem hatte so eine nacht nicht. und wenn ich weiter zurückdenke, glaube ich, dass ich so eine nacht noch nie erlebte. nach jeder episode wurde ich wach, doch in diesem leichten dämmerzustand sah ich schon die nächste episode näher rücken. grauenvoll. allein der gedanke an alle sechs teile zaubert mir eine gänsehaut. ich wollte mich wach halten - doch als ich dieses vorhaben in die tat umsetzen wollte, betrat ich eine neue welt, eine weitere episode. das kurze aufwachen war eher als entr'acte zu verstehen. die bühne wurde umgebaut, die szenerie für eine weitere nachtmahr errichtet.

auch der heutige tag war nicht so schön, aber ich möchte darauf nicht näher eingehen. habe nach der arbeit ein glas wein geschenkt bekommen - mein highlight des tages. aber ich war nicht fähig, den tropfen zu genießen. zu aufgewühlt war ich, die emotionen nicht unter kontrolle. blut.

bald geht der vorhang wieder auf. vielleicht schlafe ich diese nacht ruhiger. wir werden es sehen. langhaarige katzen mit krächzender männerstimme bleiben mir hoffentlich erspart. auch diese nacht möchte ich nicht durch dunkle räume schreiten und defekte lichtschalter ausprobieren - diese nacht bitte nicht.






zitat des tages 43

dorf-stuten reitet man ohne sattel!

so viel zum thema 'sexualität und landwirtschaft'.






gedanken zur heimkehr...

zurück. fern vom luxus. ein hohles gefühl. überall. ich brauche keinen luxus, aber ein gefühl. es ist dort geblieben, wo es schon immer verweilen wollte.
ich möchte ein phönix sein und meine alte asche verlassen, zu etwas neuem wiedergeboren werden, neu erstehen.






fachbesucher-bereich...

wie famos. ich sitze gerade in der fachbesucher-lounge der ifa und schaue dem fußvolk beim trödeln zu. eine feine messe ist das hier. feinste elektronik im taschenformat. fachbesucher sind hier götter. man wird bevorzugt behandelt. das gefällt mir sehr. sogar die weißen müssen zu einem freundlich sein.






message personnel - interprété par isabelle huppert

ich kann nicht mehr ohne dieses lied existieren!
Au bout du téléphone, il y a votre voix
Et il y a des mots que je ne dirai pas
Tous ces mots qui font peur quand ils ne font pas rire
Qui sont dans trop de films, de chansons et de livres
Je voudrais vous les dire
Et je voudrais les vivre
Je ne le ferai pas,
Je veux, je ne peux pas
Je suis seule à crever, et je sais où vous êtes
J'arrive, attendez-moi, nous allons nous connaître
Préparez votre temps, pour vous j'ai tout le mien
Je voudrais arriver, je reste, je me déteste
Je n'arriverai pas,
Je veux, je ne peux pas
Je devrais vous parler,
Je devrais arriver
Ou je devrais dormir
J'ai peur que tu sois sourd
J'ai peur que tu sois lâche
J'ai peur d'être indiscrète
Je ne peux pas vous dire que je t'aime peut-être

Mais si tu crois un jour que tu m'aimes
Ne crois pas que tes souvenirs me gênent
Et cours, cours jusqu'à perdre haleine
Viens me retrouver
Si tu crois un jour que tu m'aimes
Et si ce jour-là tu as de la peine
A trouver où tous ces chemins te mènent
Viens me retrouver
Si le dégoût de la vie vient en toi
Si la paresse de la vie
S'installe en toi
Pense à moi
Pense à moi

Mais si tu crois un jour que tu m'aimes
Ne le considère pas comme un problème
Et cours, cours jusqu'à perdre haleine
Viens me retrouver
Si tu crois un jour que tu m'aimes
N'attends pas un jour, pas une semaine
Car tu ne sais pas où la vie t'emmène
Viens me retrouver
Si le dégoût de la vie vient en toi
Si la paresse de la vie
S'installe en toi
Pense à moi
Pense à moi.

Mais si tu...






kurzgedanken am morgen...

wie grauenvoll. ich bin vor gut 50 minuten aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen. meine auge war verklebt, eine dickflüssige soße lief aus ihm, als ich mich bettete. egal, für leid habe ich heute keine zeit. werde auch das fremde gekonnt ignorieren.
ich muss mich nun hübsch machen. nicht für meinen chef, der denkt ja eh, ich würde täglich das selbe am körper tragen.






zitat des tages 34

Er schrieb mir, er wolle stundenlang meinen Arsch lecken, während ich einen Apfel esse, aber als er dann zu mir kam, da hatte ich keine Äpfel da, und überhaupt dauert es ja nicht so lang, einen Apfel zu essen. Aber der Apfel war auch nicht wirklich der springende Punkt.

gefunden und geliebt bei glamourdick.






nächtliche gedanken zur ifa...

nach der arbeit geht es direkt nach berlin. samstag dann sofort zur internationalen funkausstellung (ifa). es soll dort einen zwei meter hohen schwarzen kühlschrank geben, in den ein fernseher eingebaut ist. so wird der durchschnittshausfrau an ihrem arbeitsplatz nicht langweilig, sie vergisst den schmerz, den ihr ihre fußfesseln zufügen. die tiefen wunden der ehe werden durch sensationsgeile fernsehformate verdrängt. dadurch schmeckt ihr zubereitetes essen nur noch halb so zweitklassig.






irgendwie vom non-food und anderen grässlichkeiten...

mein abendbrot sollte eine backkartoffel aus dem supermarkt sein. harvest basket - ein ekelhafter firmenname. sicher mit dem sitz im osten deutschlands. würde dort gerne anrufen und lauschen, wie sie den namen aussprechen. allein der gedanke langweilt mich. eine mikrowellen-backkartoffel mit sour-cream. dazu ein paar klänge aus der kindheit: harry manfredini mit dem score von "house" und "house 2: the second story". wie ich diese filme und die dazugehörige musik damals liebte. ein mensch im internet besorgte mir die rare filmmusik, die es nur schallplatte zu erstehen gibt. nun lausche ich ihr und fühle mich wieder jung. harry manfredini ist der schlechteste filmkomponist, den ich kenne. doch dieser score ist famos. leichte elektronische einflüsse der 80er jahre, eigenartige geräuschkulissen und böse streicher, die er sicher aus bernard herrmanns grabkammer entwendete. wir alle stehlen, das ist nicht neu. und es ist gerade so gemütlich. das küchenfenster wurde heute nach vier jahren das erste mal geputzt. es wirkt so, als würde es keine scheibe beherbergen. vor kurzem stand noch die mikrowelle davor und verdeckte die sicht auf das leben dort draußen. doch nun nicht mehr. ich gewehre mir den blick an die außenwelt und ihr somit auch. wir beide schauen uns an und erfreuen uns. es ist alles aufgeräumt und so angenehm. säckeweise trug ich mit "kiki aus berlin" überflüssige erinnerungen aus der wohnung. brennen sollen sie. weg damit. niemand braucht sie. ich behielt sie zu lange, doch war ich mir bewusst, dass ich mich von ihnen trennen musste. bevor man in seinem leben aufräumt, sollte man mit seinem domizil beginnen. danach lebt es sich freudiger. und das stimmt. ich habe sogar das licht angeschaltet, blicke auf einen neuen schrank und ein paar bretter an der wand, auf denen irgendwelche dinge stehen. vorhin kaufte ich mir eine schöne led-schreibtischlampe in chrom-optik. ein schönes ding. ich musste sie mir leisten, obwohl ich nie etwas vom non-food-stand kaufe. denn dort stehen die ganzen fratzen meiner kleinen stadt und wühlen mit ihren garstigen fingern in hässlichem.

das tun sie gerne. und ich schaute ihnen oft dabei zu: den dummen, den krüppeln, den emotionslosen. sie standen um die kleinen auslagen herum und dachten, sie wären auf einer mission. sie kauften dann irgendwas, von dem sie nicht einmal wussten, wie es geschrieben wurde. und heute stand ich dort und fand dieses lämpchen. 21 leds für ein gemütlicheres arbeiten am schreibtisch. ich kann es kaum erwarten, dass es dunkel wird. ich möchte die lampe anschließen und in ihrem schein mit den schemen tanzen.

doch dieser tanz ist mir derzeit nicht vergönnt. für ein schöneres leben zahlt man einen hohen preis. da ich mir nicht von einer tablette vorschreiben lassen möchte, wie es mir geht und wie der tag ausklingen wird, habe ich beschlossen, sie abrupt abzusetzen. man schlägt nun die hände über dem kopf zusammen und denkt, dass es besser wäre, sie auszuschleichen. sicher nicht. das dauert nur. zögert den weg zum ziel heraus. ich möchte schneller an mein ziel und nehme täglichen schwindel, übelkeit und leichte stimmungsschwankungen in kauf. so spürt man immerhin, dass man noch am leben ist. der schwindel ist ekelhaft. besonders gegen frühen abend. dann ist er am stärksten. ich lege mich dann oft hin und möchte für einen kurzen moment sterben. danach geht es mir besser. die augen dürfen nicht zu schnell bewegt werden, sonst tritt der raum aus sich heraus und lässt mich in einem emotionalen karussell fahren.
man hört, wie das hirn im kopf schwimmt, wenn man sich einige male gegen die stirn schlägt - das sagte er einst zu mir. und ich glaubte sogar den trick mit der mücke, die man durch muskelanspannung zum platzen bringen konnte.

am wochenende geht es nach berlin zur internationalen funkausstellung. einer spontanen einladung verdanke ich, dass ich berlin doch nun eher heimsuchen darf. das wochenende darauf werde ich wieder in berlin sein. werde mir menschen ansehen, die ich momentan nur von bildern kenne. ich bin gespannt, wie sie ohne die zauberhafte aura des photoshops aussehen. irgendwann kehre ich gar nicht mehr zurück.

vor mir lief heute diese frau mit ihren kleinen absätzen, deren geräusche in meinem kopf wie in ein echo getaucht waren. sie hatte kein talent, solches schuhwerk ordentlich zu repräsentieren. sie ging wie eine menschliche marionette, deren sehnen an ein holzkreuz genagelt und von einem betrunkenen puppenspieler gelenkt wurden. es war grauenvoll. eine sekunde später hallten die geräusche der straße durch mich hindurch. der schwindel machte sich wieder breit. eingepackt in dieser geräuschkulisse presste sich der schweiß durch mein gewebe. schwitz, du sau. ich schwitzte. ohne grund. das passiert oft. nachts träume ich will und wirr - oft von meiner deckenlampe. das wird bald aufhören. bestimmt.

gerade, nachdem ich mit der königin telefonierte, inspirierte ich mich, die led-schreibtischlampe aufzubauen und das licht zu testen. ja, es ist kein warmes licht, es ist ein weißes, kaltes licht wie in einer zahnarztpraxis. das macht mich an. masturbieren zu diesem licht, schnell eine bohrmaschine neben das bett gelegt und die szenerie ist komplett.

nun esse ich noch ein paar rispentomaten und schaue, was der abend mir noch zu bieten hat.






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